Unterbrochen von Hustenanfällen, einem Störenfried und einer Bühnenpanne hat die britische Premierministerin Theresa May versucht, ihren Kritikern zu trotzen und ihre Führungsrolle bei den Konservativen zu festigen. Sie glaube an einen Konservatismus, der fair und gerecht sei und "den britischen Traum für eine neue Generation am Leben hält", sagte die Regierungschefin auf dem Parteitag in Manchester. "Das ist es, wofür ich mich einsetze. Das ist es, wofür wir uns alle einsetzen müssen."

Sie entschuldigte sich bei ihren Parteifreunden für den Misserfolg bei der Parlamentswahl im Juni. Der Wahlkampf sei zu sehr nach Drehbuch und zu präsidentiell geführt worden, sagte May. "Ich übernehme die Verantwortung, ich habe den Wahlkampf angeführt, es tut mir leid." May hatte die vorgezogene Wahl im Frühjahr ohne Not anberaumt. Doch statt eines Sieges verloren Mays Konservative nach einem schwachen Wahlkampf die Mehrheit im Unterhaus. Seitdem führt May eine Minderheitsregierung mit Hilfe der nordirischen Democratic Unionist Party.

Die Rede galt für Mays politisches Überleben als wichtig. Am Ende bekam sie von den Delegierten Applaus und Jubel, obwohl der Auftritt längst nicht so reibungslos verlief wie geplant: May versagte wiederholt die Stimme. Mehrfach musste sie neu ansetzen. Der für Störaktionen bekannte Komiker Simon Brodkin tauchte plötzlich am Bühnenrand auf und überreichte May ein Formular, das Arbeitnehmer in Großbritannien erhalten, wenn sie aus einem Beschäftigungsverhältnis ausscheiden. Sicherheitskräfte führten ihn weg. Dann brachen einige Buchstaben aus dem Parteislogan "Ein Land aufbauen, das für jeden funktioniert", der hinter May an der Wand prangte. 

Zuletzt war der Eindruck entstanden, May führe einen offenen Machtkampf mit Außenminister Boris Johnson, der für seine Rede auf dem Parteitag viel Applaus erhielt. Mays Vorgehen bei den Planungen zum Austritt aus der EU sehen viele in der Partei kritisch. Erneut kündigte sie an, den Brexit auch zu vollziehen, wenn kein ausverhandelter Vertrag zustande käme.