Beim ersten Besuch eines saudi-arabischen Herrschers in Russland ist König Salman vom russischen Präsidenten Wladimir Putin empfangen worden. Putin sprach in Moskau von einem "neuen Impuls" für die Beziehungen beider Länder. Nach Regierungsangaben und Medienberichten sollte bei dem Treffen unter anderem über Energieprojekte und Rüstungsgeschäfte beraten werden. Auch der Krieg in Syrien stehe auf der Agenda.

Putin sprach angesichts des historischen Besuchs im Kreml von einem "sehr gewichtigen Ereignis". König Salman sagte, die bilateralen Beziehungen sollten "im Interesse des Friedens, der Sicherheit und der Entwicklung der Weltwirtschaft verstärkt werden". Eine große Wirtschaftsdelegation begleitete den König nach Russland.

Russische Agenturen meldeten bereits, die Delegationen hätten ein Memorandum über den möglichen Verkauf russischer Waffen unterzeichnet. Die staatliche Saudi Arabian Military Industries (Sami) erklärten außerdem, Russland wolle Saudi-Arabien beim Aufbau der Rüstungsindustrie helfen. Eine entsprechende Absichtserklärung sei in Moskau unterzeichnet worden. Die Vereinbarung mit dem russischen Rüstungskonzern Rosoboronexport stehe im Zusammenhang mit Käufen unter anderem des Flugabwehrsystems S-400, der Panzerabwehrrakete Kornet und Raketenwerfer des Typs TOS-1A. Zum Volumen der Verträge wurden keine Angaben gemacht.

Besonders interessant an dem Treffen ist auch, dass Saudi-Arabien traditionell ein enger Verbündeter der USA ist. Im Mai führte die erste Auslandsreise des neuen Präsidenten Donald Trump unter anderem nach Riad. Damals einigten sich beide Seiten auf Waffengeschäfte in dreistelliger Milliardenhöhe. Es war eines der größten Waffengeschäfte in der Geschichte beider Länder.

Zuletzt hatten sich aber auch die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Russland, zwei der größten Erdölproduzenten der Welt, vertieft. Experten sahen darin ein Indiz dafür, dass der steigende Einfluss Russlands in der Arabischen Welt die saudische Regierung nach alternativen Partnern suchen lässt.

In jüngster Zeit hatten sich beide Länder angesichts fallender Ölpreise bereits über eine Drosselung der Förderung abgestimmt. König Salman lobte diese Einigung. Sie helfe auch der Weltwirtschaft, sagte er. In einem Monat steht ein Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und ihrer Partnerländer an, bei dem über eine Verlängerung der Drosselung beraten werden soll. Unklar ist, ob sich beide Seiten ein weiteres Mal einigen können: Der saudi-arabische Energieminister Chalid Al-Falih sagte dem Sender Al-Arabiya, das Königreich wolle sich die Optionen bezüglich einer Verlängerung dieser Vereinbarung über März hinaus offenhalten. Putin hatte dagegen am Vortag erklärt, die beteiligten Opec- und Nicht-Opec-Produzenten seien bereit zur Verlängerungen des Abkommens.

Streitpunkt Iran

Entgegengesetzte Interessen verfolgen beide Länder auch im Syrien-Krieg: Während Russland den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt, steht Saudi-Arabien hinter den Regierungsgegnern. Dieses Problem trat in Moskau einmal mehr offen zutage, als König Salman eine deutliche Warnung an den Iran aussprach. Die Führung in Teheran dürfe die Lage im Bürgerkriegsland Jemen nicht destabilisieren, sagte Salman.

Der Iran ist ein enger Verbündeter Russlands und unterstützt gemeinsam mit der Regierung in Moskau die syrische Führung militärisch. Das sunnitisch dominierte Saudi-Arabien und der schiitisch geprägte Iran ringen um die Vorherrschaft in der Region. 

Die Politologin Marianna Belenkaja vom Moskauer Carnegie-Zentrum hält die Kooperation mit Saudi-Arabien zwar für pragmatisch, aber auch für fragil. Die Annäherung beider Länder "resultiert vor allem aus der Überschneidung politischer Interessen. Wenn diese Interessen wieder auseinandergehen, kann sie sofort wieder beendet sein", schrieb sie. Dennoch: Der Besuch sei symbolisch. "Er hat belegt, wie stark sich die geopolitische Situation im Nahen Osten verschoben hat."