Syrien wird nach Einschätzung des Roten Kreuzes von den heftigsten Kämpfen seit der Schlacht um Aleppo im vergangenen Jahr erschüttert. In jüngster Zeit seien dabei hunderte Zivilisten getötet worden, beklagte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Zudem seien wichtige Einrichtungen zerstört worden: zehn Krankenhäuser in den vergangenen zehn Tagen sowie mehrere Schulen. Die Gewalt erreiche ein Ausmaß, wie es sie seit Dezember nicht mehr gegeben habe, als Regierungstruppen den lange von Rebellen gehaltenen Osten Aleppos eingenommen hatten.  

Die Leiterin der IKRK-Delegation in Syrien, Marianne Gasser, sagte, in den vergangenen zwei Wochen hätten Militäroperationen in besorgniserregender Weise zugenommen. 

Zu Beginn der Woche hatte das russische Militär mitgeteilt, im Osten des Landes durch Luftangriffe mehr als 300 Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) getötet zu haben. Bei den Luftschlägen vor den Toren der umkämpften Stadt Dair as-Saur seien weitere 200 Kämpfer verletzt worden. Außerdem seien ein Ausbildungszentrum, Artilleriepositionen, Panzer und Munitionslager der Extremisten zerstört worden. 

Nach Angaben des IKRK treffen derzeit in einigen Flüchtlingslagern in der Region Dair as-Saur sowie in der nordostsyrischen Provinz Al-Rakka täglich mehr als 1.000 Flüchtlinge ein. Für die Hilfsorganisationen werde es zunehmend schwieriger, sie mit Wasser und Nahrung zu versorgen und allgemeine Hygiene sicherzustellen. Das Internationale Rote Kreuz rief daher alle Beteiligten zu Zurückhaltung auf. Die Menschenrechte müssten gewahrt werden.

Angriffe trotz Schutzzonen

Russland unterstützt im syrischen Krieg die Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad. Die Regierungssoldaten sind in der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur seit Längerem gegen den IS auf dem Vormarsch. Auch die von den USA unterstützten Demokratischen Kräfte Syriens kämpfen in der Region gegen die Terrormiliz. Doch immer wieder gibt es auch Berichte, denen zufolge bei den Angriffen auch Zivilisten getötet werden.

Nach Angaben des IKRK sind von den Angriffen in jüngster Zeit auch jene Schutzzonen betroffen, auf die sich der Iran, die Türkei und Russland geeinigt hatten. Für diese Zonen war Mitte des Jahres vereinbart worden, dass der Luftraum für Kampfjets gesperrt werde. Auch sollte eine Feuerpause gelten. Doch immer wieder wurde diese Vereinbarung gebrochen.