Mit großem Vorsprung hat der umstrittene Populist Andrej Babiš die Parlamentswahl in Tschechien gewonnen. Der Multimilliardär kommt mit seiner Protestbewegung ANO ("Ja") nach dem vorläufigen Endergebnis auf 29,6 Prozent. Das teilte die Statistikbehörde ČSÚ in Prag mit. Präsident Miloš Zeman hat bereits signalisiert, dem Wahlsieger den Regierungsauftrag geben zu wollen. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 60 Prozent.

Zweitstärkste Kraft sind die Bürgerdemokraten (ODS) mit 11,3 Prozent der Stimmen (2013: 7,7), die ein Bündnis mit der ANO-Bewegung ausschließen. Die Sozialdemokraten (ČSSD), die bisher mit Bohuslav Sobotka den Regierungschef stellten, stürzten auf 7,3 Prozent ab (2013: 20,5 Prozent). Sobotka selbst war nicht mehr angetreten. Die rechtsradikale SPD des tschechisch-japanischen Unternehmers Tomio Okamura kommt auf 10,6 Prozent.  Die linksgerichtete Piratenpartei zieht mit 10,8 Prozent erstmals ins Parlament ein.

Vor vier Jahren war die ANO-Partei mit 18,7 Prozent noch zweitstärkste Kraft geworden. Weil der 63-jährige Großunternehmer den Staat wie eine Firma lenken will, wird Babiš in den Medien auch "tschechischer Donald Trump" genannt. Im Wahlkampf trat er als Euroskeptiker und Flüchtlingsgegner auf. Bislang regierte seine ANO gemeinsam mit den Sozialdemokraten. Babiš war bis Mai diesen Jahres Finanzminister. Gegen ihn wird wegen Betrugs ermittelt, deshalb musste er das Regierungsamt aufgeben. Er bestreitet die Vorwürfe.