Wenige Stunden nach der Anordnung des Gerichts zur Haftverschonung hat der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner das Silivri-Gefängnis in Istanbul verlassen. "Wir sind mehr als erleichtert. Wir sind allen sehr dankbar, die uns unterstützt haben, rechtlich und diplomatisch", sagte Steudtner.

Nach mehr als drei Monaten Untersuchungshaft entließ ein Richter in Istanbul Steudter aus der Untersuchungshaft. "Der Ausreise steht nichts mehr im Wege", sagte Steudtners Anwalt Murat Boduroglu daraufhin. Frei ist auch der schwedische Menschenrechtler Ali Ghavari.

Zum Prozessauftakt am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft die Freilassung von Steudtner und sechs weiteren Angeklagten beantragt. Steudtner und Gharavi waren laut Boduroglu nach der Urteilsverkündung in das rund 80 Kilometer entfernte Gefängnis Silivri gebracht worden, wo sie in Untersuchungshaft saßen, um zu packen. Sie wollen mit dem nächstmöglichen Flug ausreisen. Unklar war zunächst noch, wann genau sich Steudtner auf den Rückflug Richtung Deutschland machen wollte. In seinem Heimatort Berlin soll das erste Flugzeug aus Istanbul am Donnerstag um 9.35 Uhr am Flughafen Berlin-Tegel landen.

Der Prozess wegen angeblicher Unterstützung von Terrororganisationen soll allerdings am 22. November weitergehen.

Die türkischen Menschenrechtler, die in U-Haft waren, wurden bis zu einem Urteil auf freiem Fuß gesetzt – teilweise aber unter Auflagen. Unter ihnen ist die Direktorin von Amnesty International in der Türkei, Idil Eser. Eine Ausnahme gilt für den ebenfalls angeklagten Amnesty-Vorsitzenden der Türkei, Taner Kilic. Er ist wegen eines anderen Verfahrens in Untersuchungshaft, das am Donnerstag in Izmir beginnen soll.

Amnesty International fordert, den Druck auf Ankara aufrechtzuerhalten

Die Bundesregierung begrüßte die Freilassung Steudtners. "Endlich! Peter Steudtner und weitere Menschenrechtler kommen frei", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert Twitter. "Wir freuen uns mit ihnen + denken an die, die immer noch in Haft sind."

"Freue mich, dass das Istanbuler Gericht die Untersuchungshaft für Steudtner aufgehoben hat", sagte Außenminister Sigmar Gabriel nach Angaben des Auswärtigen Amtes bei Twitter. "Ermutigendes Signal, ein erster Schritt."

Amnesty International fordert indes die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf Ankara aufrechtzuerhalten. Es bleibe nach den "schwierigen Instrumentalisierungen der türkischen Justiz (...) noch viel zu tun, um irgendwie von Normalisierung von Beziehungen zu sprechen", sagte der Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, Markus Beeko. "Die internationale Staatengemeinschaft ist weiter gefordert, auf allen Ebenen auf die türkischen Behörden und die türkische Regierung einzuwirken, dass Menschenrechtsstandards eingehalten werden und dass wir auch wirklich Rechtsstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Justiz sehen."