In zwei Regionen Norditaliens stimmen die Bürger an diesem Sonntag über mehr Autonomie ab. Etwa zehn Millionen Menschen sollten in Referenden entscheiden, ob die Regierungen der Regionen Lombardei und Venetien mehr Kompetenzen bekommen, vor allem, um mehr Geld zu halten. Die Referenden sind rechtlich nicht bindend, könnten aber die Positionen der Regionalvertreter in den Verhandlungen mit der italienischen Regierung verbessern. 

Vor allem die Partei Lega Nord treibt die Bestrebungen nach mehr Autonomie voran, sie stellt auch die Regionalpräsidenten in den beiden Regionen. Die Partei hatte sich 1991 mit dem Ziel gegründet, den reichen Norden vom ärmeren Süden abzuspalten. Mittlerweile hat Lega Nord eine fremdenfeindliche Ausrichtung und verfolgt das Ziel der Abspaltung nicht mehr offensiv.

Vor den Referenden hatte die Parteiführung mehrmals darauf hingewiesen, dass es nicht um die Unabhängigkeit von Italien gehe. "Wir haben seit jeher gesagt, dass wir diesen Weg zur Autonomie wollen, wir machen das auf demokratischem und legalem Weg, im Einklang mit der Verfassung", sagte der Präsident von Venetien, Luca Zaia.

"Diese Referenden sind legitim"

Die Lombardei und Venetien gehören zu den reichsten Regionen Italiens: In der Lombardei liegt die wirtschaftsstarke Stadt Mailand und in Venetien die touristischen Ziele Venedig und Verona. Beide Regionalregierungen wollen mehr von dem Geld, was bei ihnen erwirtschaftet wird, in der Region halten. Die Lombardei spricht zum Beispiel von 54 Milliarden Euro, die sie an Steuern an Rom überweisen.

Der Parlamentspräsident Antonio Tajani, der der konservativen Partei Forza Italia angehört, sagte der Zeitung Il Messaggero: "Diese beiden Referenden sind legitim, während es das in Katalonien nicht war. Und das katalanische Referendum war für eine Unabhängigkeit, während das in der Lombardei und in Venetien für mehr Autonomie ist."

Bis 23 Uhr können die Bürger abstimmen, Ergebnisse werden in der Nacht zu Montag erwartet. In Venetien muss die Wahlbeteiligung über 50 Prozent liegen, in der Lombardei gibt es kein solches Quorum. Der Präsident der Lombardei, Roberto Maroni, hofft auf eine Wahlbeteiligung von mehr als 34 Prozent. "Ich hoffe, dass die Bürger in der Lombardei und in Venetien verstehen, dass dies eine historische und außerordentliche Gelegenheit ist", sagte Maroni.