Jeden Herbst trifft sich in den kaukasischen Bergen oberhalb der Olympiastadt Sotschi der Valdai Discussion Club, eine gehobene Version des Bergedorfer Gesprächskreises. Seit 2004 erfreut sich das Treffen von Jahr zu Jahr größerer internationaler Beachtung. In diesem Jahr reisten 130 Teilnehmer aus 33 Ländern an, Russlandexperten, Politiker und Ex-Diplomaten, Akademiker und Journalisten, um sich vier Tage lang mit Moskauer Politprominenz über die Weltlage auszutauschen. Der Höhepunkt der Konferenz war wiederum die Diskussion mit einem regelmäßigen Gast: Wladimir Putin, Russlands Präsident, der sich nach einer detaillierten Ansprache fast drei Stunden für die Diskussion nahm.

Das Themenspektrum war weit gespannt. Es reichte von der Geopolitik über die Ungleichheit in der Welt, dem Klimawandel und der Digitalisierung bis zum Gegensatz zwischen technischem Fortschritt und menschlichen wie gesellschaftlichen Grundansprüchen. Über viele Themen wurde heiß und kontrovers diskutiert – ich will mich jedoch auf eine Dokumentation jener drei beschränken, zu denen Putin sich explizit geäußert hat: das russisch-amerikanische Verhältnis, die Ukraine-Krise und die Beziehungen zwischen Russland und China.

1. Russland-Amerika

Nach Donald Trump und dessen Unberechenbarkeit gefragt, gab Putin sich diplomatisch korrekt: "Wir arbeiten mit dem Präsidenten, den das amerikanische Volk gewählt hat. Und was die Unberechenbarkeit angeht – daran ist er nicht allein schuld. Das hat auch mit der heftigen Opposition im Lande zu tun, überhaupt mit dem ganzen politischen System Amerikas." Beschwichtigend fügte er hinzu: "Die Vereinigten Staaten sind eine Großmacht, wirtschaftlich und militärisch die größte der Welt." Zwar sei der bilaterale Handel leider vernachlässigenswert, nur 20 Milliarden Dollar. Dennoch seien die USA laut Putin ohne Zweifel einer der wichtigsten Partner Russlands. "Wir werden trotz aller Schwierigkeiten weiter mit ihnen arbeiten. Natürlich nur, wenn sie wollen. Sonst eben nicht."

Einen kleinen Seitenhieb konnte sich Putin gleichwohl nicht verkneifen. Auf die Verhängung neuer Sanktionen gegen Russland reagierte Moskau mit Gegensanktionen. Putin stellte das anschließende Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten wie folgt dar:

Trump: Warum haben Sie denn das gemacht?

Putin: Na, hör mal, ihr habt doch Sanktionen über uns verhängt!

Trump: Diese Sanktionen bedeuten doch nichts für euch, uns aber tun sie richtig weh!

Putin: Ja, haben Sie denn nicht gedacht, dass wir reagieren würden?

2. Der Ukraine-Konflikt

Natürlich kam auch das Thema Ukraine zur Sprache. Der Ball liege auf der russischen Hälfte des Spielfelds, sagte ein Norweger. Der Konflikt sei zu einem "halbgefrorenen" geworden, die Sanktionen seien nun halb-permanent. Was gedenke Russland zu tun? Und wie werde die Lage wohl in drei Jahren aussehen? 

"Nun, wir denken, dass der Ball in der Spielfeldhälfte Europas liegt", sagte Putin. Ehe er dies weiter erläuterte, griff er weit zurück in die Geschichte. Zu der Zurückweisung des EU-Assoziierungsabkommens mit der Ukraine durch Janukowitsch ("er wollte nur an dem Text noch ein bisschen arbeiten"). Zum Aufstand auf dem Maidan ("von den USA finanziert, politisch und medial unterstützt, auch von Europa"). Zur Ablösung Janukowitschs ("ein verfassungswidriger Staatsstreich"). Zur Rolle der Europäer ("Wo waren denn die europäischen Garanten des Abkommens zwischen Janukowitsch und der Opposition?"). Zur Unabhängigkeitserklärung der Krim und ihrer Wiedervereinigung mit Russland ("Ihr glaubt, wir seien dafür verantwortlich?").