Die Euro-Finanzminister haben dem scheidenden Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei seinem letzten Auftritt in ihrem Kreis Respekt gezollt. "Eine ganze Reihe an Kollegen hat die Gelegenheit genutzt, ihm zu danken", sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem in Luxemburg.

"Wir werden ihn vermissen", sagte Dijsselbloem und ergänzte, "er war ein großartiger Kollege für jeden von uns, er gab Ratschläge, mal gefragt, mal ungefragt". Dabei habe er stets das langfristige Interesse einer stabilen Euro-Zone an erste Stelle gestellt.

Schäuble wird aller Voraussicht nach bei der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestags am 24. Oktober zum Bundestagspräsidenten gewählt. Mit seinen acht Jahren als deutscher Finanzminister ist er der dienstälteste im Kreis seiner 19 Kollegen aus dem gemeinsamen Währungsgebiet. Er bestimmte die Diskussionen um die Euro-Schuldenkrise maßgeblich mit. Vor allem bei den Verhandlungen um das pleitebedrohte Griechenland zeigte er sich als unnachgiebiger Verhandlungspartner.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire meinte: "Er hat eine Hauptrolle gespielt für die Weiterentwicklung der europäischen Gemeinschaft. Ich sehe ihn als einen großen Europäer." Italiens Ressortchef Pier Carlo Padoan sagte: "Er war ein großartiger Finanzminister."

Schäuble sei "wirklich ein fantastischer Kerl", sagte EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici. Er sei nicht immer einer Meinung mit dem Deutschen gewesen, die Differenzen seien aber niemals unüberbrückbar gewesen. Es werde eine Zeit vor Schäuble "und ein Danach geben. Das Danach wird anders sein".

Nach Angaben Dijsselbloems hatte Schäuble seit 2009 an mehr als Hundert Euro-Gruppen-Treffen teilgenommen. Er und die anderen Minister überreichten dem CDU-Politiker zum Abschied unter anderem eine signierte Europaflagge sowie einen 100-Euro-Schein, auf dem Schäubles Konterfei abgebildet ist.

Schäuble hatte die Entwicklungen der Euro-Zone zuweilen auch mit spitzer Zunge kommentiert. So warnte er etwa die neu gewählte griechische Regierung des Linken Alexis Tsipras vor einem Auslaufen des damaligen Hilfsprogramms mit den Worten "Am 28. (Februar), 24 Uhr, isch over".

Schäuble mahnt, Euro krisenfest zu machen

Schäuble selbst gab seinen Amtskollegen eine Mahnung auf den Weg. Der Euro müsse nach Jahren der Krise wetterfest gemacht werden. Als er 2009 an die Spitze des Ministeriums gerückt sei, hätten die Finanzmärkte gerade den Euro attackiert. "Wir haben in den acht Jahren den Euro stabil gehalten", sagte er. Derzeit stünden alle Euro-Staaten wirtschaftlich gut da. "Es ist jetzt eine gute Zeit, um den Euro nachhaltig zu stabilisieren. Die Arbeiten gehen weiter."

Er verwies zudem auf Erfolge des einstigen Krisenlandes Portugal. Das Land sei "ja wieder mal ein Beweis dafür, dass unsere Politik der Stabilisierung des Euro erfolgreich gewesen ist und dass es gelungen ist, in acht Jahren Euro-Krise den Euro gegen doch manche Zweifel stabil zu halten". Insofern sei es für ihn ein guter Abschluss nach der achtjährigen Zeit, von der er sich nicht leicht verabschiede.

Die Euro-Finanzminister berieten bei dem Treffen zudem über die künftige Rolle des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). "Der ESM hat eine gewichtige Rolle zu spielen, nicht nur beim Krisenmanagement, sondern auch bei der Prävention weiterer Krisen", sagte Dijsselbloem.

Die EU-Kommission wird am 6. Dezember detailliertere Vorschläge zur Zukunft des ESM präsentieren. Der Mechanismus war vor fünf Jahren ins Leben gerufen worden. Seine Aufgabe ist es, die Liquidität von überschuldeten Staaten mit Krediten zu sichern.