Im Nordwesten Syriens sind Aktivisten zufolge mindestens 61 Menschen bei Luftangriffen auf eine von Rebellen gehaltene Stadt getötet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte den Bericht. Der Markt und eine Polizeiwache im Ort Atareb westlich von Aleppo seien mindestens dreimal getroffen worden. Unter den Todesopfern seien auch fünf Kinder.

Es sei noch unklar, ob Kampfjets der syrischen Regierung oder von deren wichtigstem Unterstützer Russland hinter dem Angriff stünden, erklärten Sprecher der Beobachter. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte steht den syrischen Regierungsgegnern nahe. Sie stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien, ihre Angaben gelten als zuverlässig, lassen sich aber nicht unabhängig überprüfen.

Das lokale Aktivistenmedium Thika hatte zunächst über mindestens 53 Tote sowie mehr als 90 Verletzte berichtet. Bilder von Thika zeigten, wie Rettungskräfte und Zivilisten Opfer aus Trümmern zogen. Nach Angaben eines Fotografen, der mit der Nachrichtenagentur AFP zusammenarbeitet, waren Häuser stark beschädigt und die Straßen mit Schutt bedeckt.

Auf Atareb haben russische und syrische Kampfflugzeuge seit 2015 wiederholt Luftangriffe geflogen. Die Stadt liegt etwa 40 Kilometer westlich von Aleppo und ist zur Heimat für Zehntausende Flüchtlinge geworden, die durch Kämpfe aus anderen syrischen Gebieten vertrieben worden sind.

Während die Großstadt Aleppo wieder von der syrischen Regierung kontrolliert wird, befinden sich Atareb und der ländliche Raum im Umkreis der Stadt in der Hand von Rebellen. Die Region im Nordwesten Syriens sollte eigentlich durch ein sogenanntes Deeskalationsabkommen geschützt werden, das im Mai von Russland, dem Iran und der Türkei vereinbart worden war.

Während des seit mehr als sechseinhalb Jahren andauernden Konflikts in Syrien sind mindestens 400.000 Menschen getötet worden. Elf Millionen Menschen wurden aus ihren Heimatorten vertrieben – das ist knapp die Hälfte der Gesamtbevölkerung Syriens.