Australien - 60 Prozent wollen Ehe für alle In einer Volksabstimmung sprach sich die Mehrheit der Australier für die Liberalisierung der Ehe aus. Australien könnte der 26. Staat werden, in dem die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt wird. © Foto: William West / Getty Images

Australien könnte der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe einen Schritt näher gekommen sein. In einem rechtlich nicht bindenden Votum stimmten zwei Drittel der Australier für eine Öffnung der Ehe. In der Volksbefragung per Briefwahl war gefragt worden, ob die Bürger befürworten, dass auch gleichgeschlechtliche Partner künftig heiraten können. 61,6 Prozent der wahlberechtigten Australier sprachen sich dafür aus, die Gesetze entsprechend zu ändern.

Das Australische Amt für Statistik gab die Ergebnisse der Umfrage am Morgen in Canberra bekannt. Zwei Monate hatten die Australier Zeit, Ja oder Nein anzukreuzen. Mehr als 12 Millionen Menschen beteiligten sich an der Umfrage, knapp 80 Prozent der Stimmberechtigten. 38,4 Prozent der Wahlberechtigten (4,9 Millionen) votierten in der Befragung per Brief dagegen. Die Teilnahme an der Abstimmung war – anders als bei australischen Wahlen oder einem Volksentscheid– nicht Pflicht. Die deutlichste Zustimmung für die gleichgeschlechtliche Ehe gab es im Australian Capital Territory, in dem der Regierungssitz Canberra liegt. Dort stimmten 74 Prozent mit Ja. Im bevölkerungsreichsten Bundesland New South Wales kreuzten knapp 58 Prozent der Wahlberechtigten Ja auf dem Umfragebogen an.

Australiens konservativer Regierungschef Malcolm Turnbull begrüßte das Ergebnis und kündigte eine Abstimmung des Parlaments noch vor Weihnachten an, um gleichgeschlechtliche Ehen per Gesetz zu legalisieren. "Sie haben für Fairness gestimmt, für Engagement, für die Liebe", sagte er. Die Stimme der Menschen müsse nun respektiert werden. "Wir haben sie nach ihrer Meinung gefragt, und sie haben sie uns gegeben." Jetzt sei es an der Regierung, zu handeln. Turnbull hatte schon früher deutlich gemacht, dass er selbst für das Gesetz stimmen werde. 

Allerdings gibt es im konservativen Lager auch zahlreiche Gegner. Zu ihnen gehört Turnbulls Vorgänger Tony Abbott, der bis zuletzt eine entschlossene Nein-Kampagne anführte. Daran konnte auch Abbotts Schwester Christine Forster nichts ändern, sie ist ebenfalls in der konservativen Liberal Party aktiv und will im Februar ihre Freundin heiraten.

Streit um Kosten

Der Erhebung war ein langer Streit im Parlament vorausgegangen: Einige Politiker plädierten für einen Volksentscheid, andere argumentierten, ein solches Votum sei zu teuer. Schätzungen zufolge gab Australiens Statistisches Bundesamt, das mit der Aufgabe betraut war, mehr als 122 Millionen australische Dollar (78 Millionen Euro) für die Umfrage aus. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses sagte ein Sprecher des Bundesamtes, die Befragung habe weniger gekostet, man sei mit 100 Millionen australischen Dollar unter dem veranschlagten Budget geblieben.

Viele konservative Politiker im australischen Parlament haben angekündigt, auch im Falle eines mehrheitlichen Ja für die Ehe für alle bei ihrem Nein zu bleiben und im Parlament gegen ein entsprechendes Gesetz zu stimmen.