Der Satz ist in der britischen Politik schon fast eine Brexit-Floskel: EU-Bürger, die im Land leben und arbeiten, sind natürlich willkommen und dürfen auch nach dem Brexit bleiben. Was für Europäer wie eine Selbstverständlichkeit klingt, hat es aber in sich. Denn nicht alle EU-Bürger, die in Großbritannien leben, arbeiten auch oder haben je im Land gearbeitet. Wenn die britische Regierung ihren Entwurf für den neuen Status von EU-Bürgern durchsetzt, könnten viele von ihnen von einem Tag auf den anderen ihren Status verlieren, weil sie die Kriterien nicht erfüllen.

Wie viele EU-Bürger betroffen sind, weiß niemand so genau. Doch viele sehen die Brexit-Verhandlungen mit großer Sorge, denn sie haben anstatt zu arbeiten Kinder großgezogen, Angehörige gepflegt oder konnten schlicht aus gesundheitlichen Gründen keinen Beruf ausüben. Etwas, das noch vor dem Brexit-Referendum niemanden interessiert hat. Diese EU-Bürger waren den Briten gleichgestellt, niemand störte sich daran, dass sie nicht arbeiteten. Niemand wollte von ihnen eine Aufenthaltsgenehmigung sehen. Ein EU-Pass genügte.

Seit dem Referendum von 2016 versuchen daher immer mehr EU-Bürger, die im Königreich leben, eine permanent residence card, eine Daueraufenthaltsbescheinigung zu bekommen, um nach dem Brexit irgendetwas zu haben, das beweist, dass sie nicht neu im Land sind. Dieses Dokument ist keinesfalls neu, nur gebraucht hat man es als EU-Bürger bislang selten. Beantragt haben es wenige. Bis zum Referendum.

Es geht nicht nur um kriminelle Europäer

Seitdem sind die Antragszahlen explodiert. Und seitdem merken viele EU-Bürger, dass sie dieses Dokument, das jetzt so viele haben möchten, auch um die britische Staatsangehörigkeit beantragen zu können, gar nicht bekommen können, weil sie selbst nach jahrzehntelangem Aufenthalt die Kriterien nicht erfüllen.

Das wird sich während der Austrittsverhandlungen schon irgendwie regeln, hatten manche noch optimistisch gedacht. Doch als die britische Regierung vergangene Woche ihren neuen Entwurf für den Aufenthaltsstatus von EU-Bürgern vorlegte, war das Entsetzen groß. Danach sollen nur diejenigen automatisch einen Daueraufenthaltsstatus bekommen, die nachweisen können, dass sie gearbeitet oder studiert haben oder anderweitig, unabhängig vom Staat, zum Beispiel durch Pensionen oder Mieteinnahmen, Geld beziehen. Dies sind aber auch jetzt schon die Voraussetzungen, um die Bescheinigung zu erhalten.

Wurde bislang in Parlamentsdebatten immer so getan, als gehe es ausschließlich um kriminelle Europäer, die man nach dem Brexit nicht mehr im Land haben will, ist seit spätestens vergangener Woche klar: Die Definition, wer in Großbritannien künftig als sesshaft gelten soll, ist eng.