Was zahlen die Briten beim Ausscheiden aus der EU? Über diese Frage wird seit Monaten gestritten. Nun gibt es offenbar eine Annäherung: Laut Angaben aus EU-Kreisen stehen beide Seiten kurz vor einer Einigung. Das Angebot Londons sei vielversprechend, sagten EU-Diplomaten.  

Unklar ist demnach die genaue Höhe der Summe. Der britische Telegraph berichtete, die Schlussrechnung solle zwischen 45 und 55 Milliarden Euro liegen. Gefordert habe die EU einen finanziellen Ausgleich von 60 Milliarden Euro. Laut Financial Times hat die britische Seite anerkannt, dass sich die Gesamtverpflichtungen gegenüber der EU auf bis zu 100 Milliarden Euro belaufen. Die Gesamt-Nettozahlungen dürften sich demzufolge aber über mehrere Jahrzehnte gerechnet auf weniger als die Hälfte dieses Betrages reduzieren.

Eine Verständigung in der Finanzfrage wäre ein wichtiges Signal für den EU-Gipfel am 14. und 15. Dezember in Brüssel. Dadurch würde der Beginn von Gesprächen über den künftigen Status Großbritanniens in den Handelsbeziehungen zur EU ermöglicht werden. Auf diesen Teil der Brexit-Gespräche wartet insbesondere die britische Wirtschaft, denn die aktuelle Unklarheit behindert die Konjunktur.

Die EU-Kommission wollte sich zu den Berichten nicht äußern. Das zuständige Brexit-Ministerium erklärte lediglich, zuletzt sei Bewegung in die Gespräche gekommen. Diese versuchten die Verhandlungspartner nun zu nutzen. EU-Chefunterhändler Michel Barnier sagte: "Mein einziger Kommentar: Wir arbeiten noch."  In einer Rede hatte Barnier zuvor gesagt: "Ich hoffe, dass ich dem Europäischen Rat, der sich ja in einigen Tagen in Brüssel trifft, berichten kann, dass wir in der Tat ausreichenden Fortschritt inzwischen vermelden können und dass wir damit eine wichtige Etappe in unseren zukünftigen Beziehungen erreicht haben." Großbritannien will die EU im März 2019 verlassen.

Derzeit verhandeln in Brüssel Unterhändler der britischen Regierung mit der Europäischen Union über die Modalitäten eines Ausstiegs aus dem Staatenbund. Bisher wurden keine größeren Einigungen erzielt. Mehrere Punkte sind umstritten. Neben der Schlussrechnung sind die Rechte von EU-Bürgern und die künftige Ausgestaltung der irischen Landgrenze zum britischen Nordirland weitere große Konfliktfelder.