Auf Deutschland könnte eine Steigerung der jährlichen EU-Beitragszahlungen um 16 Prozent zukommen. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe und berufen sich auf eine Studie des europäischen Parlaments. Wenn Großbritannien als Beitragszahler wegfällt, fehlen dem Haushalt der EU voraussichtlich netto 10,2 Milliarden Euro. Bei unveränderten Rahmenbedingungen würde Deutschland der Studie zufolge rund 3,8 Milliarden Euro übernehmen müssen.

Den Zeitungen zufolge profitierten Deutschland und einige andere Länder, wie die Niederlande und Schweden, bislang von einem Rabatt auf den sogenannten Britenrabatt, mit dem London seine Beitragszahlungen senken konnte. Diese Vergünstigungen würden nach dem Brexit wegfallen. Damit verändere sich die Lastenverteilung zwischen den übrig bleibenden 27 EU-Staaten, hieß es in dem Bericht.

Wie hoch die künftigen Zusatzzahlungen tatsächlich sein werden, ist dem Bericht zufolge jedoch noch ungewiss. In der EU würde demnach auch die Möglichkeit diskutiert, wegen des britischen Ausscheidens Kürzungen im EU-Haushalt vorzunehmen oder der EU neue Einnahmen etwa durch Steuern zu erschließen.

"Exit Day" soll festgeschrieben werden

Derweil will die britische Regierung trotz der schwierigen Verhandlungen mit der EU am Austrittsdatum festhalten. Sein Land werde die Europäische Union exakt am 29. März 2019 um 23.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit verlassen, twitterte Brexit-Minister David Davis. Das Austrittsdatum soll demnach in einem Zusatzartikel zum Austrittsgesetz verankert werden, das derzeit vom Parlament in London beraten wird.  

Der Austritt soll genau zwei Jahre nach dem Tag erfolgen, an dem Premierministerin Theresa May offiziell den Scheidungsprozess von der EU gestartet hatte. Zuvor hatten sich die Briten in einer Volksabstimmung im Juni vergangenen Jahres mehrheitlich für den Austritt aus der Europäischen Union ausgesprochen. Angesichts der Unstimmigkeiten mit Brüssel hatten Brexit-Befürworter befürchtet, dass es zu Verzögerungen kommen könnte.

Seit diesem Donnerstag läuft die sechste Runde der Brexit-Gespräche zwischen Vertretern Londons und der EU. Einer der wesentlichen Streitpunkte sind die Finanzforderungen der EU, die der EU-Parlamentspräsident Antonio Tarjani auf auf 50 bis 60 Milliarden Euro geschätzt hatte. Ferner geht es um die Rechte der in Großbritannien lebenden EU-Bürger sowie der Briten, die in anderen EU-Staaten leben. Geklärt werden muss auch der künftige Status des zu Großbritannien gehörenden Nordirland sowie der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

Brexit-Buch - »Man muss nicht verrückt sein, aber es hilft« In der britischen Politik geht derzeit einiges durcheinander. Mit seinem Buch »Alice in Brexitland« nähert sich Autor Lucien Young dem Chaos auf satirische Weise. © Foto: Ollie Mann