Der vom Haager UN-Tribunal verurteilte frühere bosnisch-kroatische General Slobodan Praljak ist tot. Wie ein Sprecher des Kriegsverbrechertribunals bestätigte, starb er in einem Krankenhaus in Den Haag. Kurz nachdem der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in einem Berufungsverfahren die 20-jährige Haftstrafe gegen Praljak bestätigt hatte, trank er im Gerichtssaal eine Flüssigkeit – laut seiner Verteidigerin handelte es sich um Gift.

Vor laufenden Kameras rief Praljak: "Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher. Ich weise Ihr Urteil zurück." Dann trank er aus einem kleinen dunklen Becher eine Flüssigkeit. Um welche Substanz es sich genau handelt und wie der Becher mit der Flüssigkeit in den Gerichtssaal kommen konnte, war zunächst unklar.

Der prominente serbische Anwalt Toma Fila, der häufig Verdächtige vor dem UN-Kriegsverbrechergericht verteidigt hat, sagte, es sei einfach, Gift in das Gerichtsgebäude in Den Haag zu bringen. Die Sicherheit für Anwälte und andere Gerichtsmitarbeiter sei "genau wie an einem Flughafen". Tabletten und kleine Mengen von Flüssigkeiten würden nicht registriert. Inzwischen haben die niederländischen Behörden Ermittlungen aufgenommen. Der Vorsitzende Richter Carmel Agius sagte, der Gerichtssaal 1 sei nun ein "Tatort".

Gemeinsam mit fünf anderen Männern der ehemaligen Führungsriege der bosnischen Kroaten war Praljak wegen schwerer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg (1992 bis 1995) angeklagt. Er wird unter anderem für die Zerstörung der alten Brücke von Mostar im November 1993 verantwortlich gemacht. Bereits in seinem ersten Prozess 2006 hatte ein Richter erklärt, dadurch sei der muslimischen Zivilbevölkerung "unverhältnismäßig großer Schaden" entstanden. Praljak wurde daraufhin zu 20 Jahren Haft verurteilt, was das Tribunal nun bestätigte. Demnach bildete er zusammen mit seinen Mitangeklagten eine "kriminelle Vereinigung" mit dem Ziel, durch "ethnische Säuberung" einen rein kroatischen Staat zu errichten.

Dieses Urteil sollte das letzte des UN-Tribunals sein, das nach rund 24 Jahren zum Jahresende seine Arbeit abschließt. Heute steht niemand mehr auf der Fahndungsliste des UN-Gerichts. Zu den 84 Verurteilten gehören die militärisch und politisch Verantwortlichen der schlimmsten Verbrechen, darunter der damalige Serbenführer Radovan Karadžić und der militärische Chef der bosnischen Serben, Ratko Mladic.