In den ersten zehn Monaten seiner Amtszeit fuhr Donald Trump in der China-Politik einen Schlingerkurs. Im Wahlkampf schon hatte er lamentiert, Peking halte seine Währung künstlich niedrig, um seinen Export zu steigern. Das Land stehle Amerikas Arbeitsplätze, kupfere Technologien ab und dränge die USA in ein bilaterales Handelsdefizit von jährlich rund 400 Milliarden Dollar.

Chinas Aufstieg machte er für Amerikas Abstieg verantwortlich. Nach dem Einzug ins Weiße Haus verkündete er dann auch sein Motto: "Null Toleranz für geistigen Diebstahl und zwangsweisen Technologie-Transfer." Später ließ Trump den Vorwurf der Währungsmanipulation dann wieder fallen.

Auch in der Nordkorea-Frage zeigte Trump zwei Gesichter: Erst fragte er, wieso China bestraft werden solle, wo das Land doch mit ihm in Korea zusammenarbeite. Dann wiederum kritisierte er die Chinesen, sie täten nicht genug, den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un zu besiegen. Schließlich drohte er gar: Wenn China das Problem nicht lösen wolle, würden die USA es alleine tun – notfalls durch die vollständige Vernichtung Nordkoreas.

Wer dachte, US-Präsident Trump werde bei seiner zwölftägigen Asientour nun endlich klares Profil zeigen, hat sich gründlich getäuscht. Er schlingert weiter.

Philippinen - Trump lobt Fortschritte in Handelspolitik US-Präsident Donald Trump hat in Manila eine positive Bilanz seiner Asienreise gezogen. Zu Präsident Dutertes scharfem Kurs im Antidrogenkampf äußerte er sich nicht. © Foto: Jonathan Ernst/Reuters

Zwei gegensätzliche Positionen in wenigen Tagen

Das liegt zum einen an seinem Wahnglauben, gute persönliche Beziehungen allein reichten schon aus, um alle Probleme der Weltpolitik zu lösen. Zum anderen jedoch liegt es an Trumps außenpolitischen Wendemanövern. Er bringt es fertig, binnen wenigen Tagen zwei völlig gegensätzliche Positionen im Umgang mit China zu vertreten: In Peking gab er sich als zahmer Gast, kurz darauf im vietnamesischen Da Nang wurde er wieder zum bissigen Kritiker.

Schon im April hatte Trump versucht, den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in seinem Golf-Ressort Mar-a-Lago zu beeindrucken – mit 59 Raketen gegen Syrien und "dem wundervollsten Stück Schokokuchen, das Sie je gesehen haben". Danach glaubte er, eine "herausragende Beziehung" zu dem Chinesen aufgebaut zu haben, Xi sei "ein ganz besonderer Mann", wie Trump sagte. Und sein Stabschef John Kelly bemerkte, die Chinesen hätten offenbar ein Regime, das für sie funktioniere.

Woraus das chinesische Parteiorgan Global Times den richtigen Schluss zog: Es begrüßte Trump bei seiner Asienreise als Pragmatiker, der "kein Interesse an ideologiegeleiteter Diplomatie" habe und nicht auf den Menschenrechten herumreite, "um China auf die Nerven zu gehen".