US-Präsident Donald Trump hat mit dem Retweet mehrerer muslimfeindlicher Videos Kritik der britischen Regierung ausgelöst. Es sei falsch, die Videos weiterzuverbreiten, die von der Vizechefin der islamfeindlichen Organisation Britain First, Jayda Fransen, geteilt worden waren, sagte ein Sprecher von Regierungschefin Theresa May. 

"Britain First versucht Gemeinschaften durch ihre hasserfüllten Äußerungen zu spalten, die Lügen enthalten und Spannungen anheizen. Sie erzeugen Angst bei rechtschaffenen Leuten", sagte ein Regierungssprecher. "Die Briten lehnen die mit Vorurteilen geladene Rhetorik der extremen Rechten ab, die den Werten dieses Landes widersprechen: Anstand, Toleranz und Respekt." Ein für 2018 geplanter Staatsbesuch Trumps werde jedoch nicht abgesagt.

Konkret twitterte Trump ein von Fransen eingestelltes Video, auf dem zu sehen ist, wie ein Mann in traditionell muslimischer Kleidung und mit langem Bart eine künstlerisch gestaltete Figur zu Boden fallen und dort zerschellen lässt. Bei der Figur soll es sich um ein Abbild der Jungfrau Maria handeln. Auf einem weiteren von Trump weiterverbreiteten Video Fransens ist zu sehen, wie ein dunkelhaariger junger Mann einen blonden jungen Mann schlägt und mit Füßen tritt. Angeblich soll es sich dabei um einen Übergriff eines jungen Muslims auf einen niederländischen Mann handeln.

In einem dritten Video versucht ein Mann angeblich, eine an Krücken gehende Person von einem Dach zu schubsen. Die Authentizität der Filme ist nicht belegt, in Teilen wirken sie gestellt. Fransen sagte, die Videos stammten aus verschiedenen Stellen im Internet.

Das Weiße Haus verteidigte die Tweets. Der Präsident habe mit den Retweets ausdrücken wollen, dass er für starke Grenzen und nationale Sicherheit sei, sagte Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders. Ob die Videos echt seien, spiele keine Rolle. "Egal, ob es ein echtes Video ist, die Bedrohung ist echt." May und andere Politiker wüssten das. Trump wolle über die Bedrohung sprechen.

Britain-First-Politikerin bereits wegen religiöser Beleidigung verurteilt

Trump hatte sich im Wahlkampf für ein Einreiseverbot für Muslime in die USA ausgesprochen. Als Präsident hat er mehrere Anläufe unternommen, die Einreisevorschriften zu verschärfen, ist dabei jedoch von Gerichten gebremst worden. Vertreter der US-Demokraten zeigten sich empört über Trumps Retweets. Es sei "schockierend und schrecklich", solch eine Islamophobie bei einem Präsidenten zu sehen, teilte Don Beyer, Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus aus Virginia, mit.

In Großbritannien verurteilten auch Abgeordnete der oppositionellen Labour-Partei das Vorgehen Trumps. Labour-Chef Jeremy Corbyn nannte die Retweets auf Twitter "abscheulich, gefährlich und eine Gefahr für unsere Gesellschaft". 

Fransen wurde vor Kurzem zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie eine muslimische Frau in einem Hidschab religiös beleidigt hatte. Die Gruppierung Britain First war 2011 von Mitgliedern der rechtsgerichteten British National Party (BNP) gegründet worden. Im Juni 2016 hatte ein Gewalttäter die Worte "Britain First" gerufen, nachdem er wenige Tage vor dem Brexit-Votum die Parlamentarierin Jo Cox ermordet hatte. Cox' Witwer reagierte erschüttert auf Trumps Tweets. "Trump hat die extreme Rechte in seinem Land legitimiert, nun versucht er es in unserem Land zu tun", teilte Brendan Cox mit. "Hass zu verbreiten, hat Konsequenzen, und der Präsident sollte sich schämen."