Paris hat den Zuschlag für den neuen Sitz der EU-Bankenaufsicht (EBA) bekommen. Die französische Bewerbung setzte im Losentscheid gegen die irische Hauptstadt Dublin durch, nachdem es in der dritten Wahlrunde einen Patt gegeben hatte. Das teilten Diplomaten beim Treffen der EU-Europaminister in Brüssel mit. Zuvor hatte bereits Amsterdam den Zuschlag für die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) bekommen. Die Behörden müssen wegen des Brexit ihren bisherigen Sitz in London verlassen.  

Damit blieben beide Bewerbungen Deutschlands erfolglos. Deutschland hatte sich mit Frankfurt am Main für die Bankenaufsicht und mit Bonn für die Arzneimittelagentur beworben.

Frankfurt schied in der zweiten Abstimmungsrunde mit nur vier Stimmen aus. In der dritten Runde kamen die letzten beiden verbliebenen Kandidaten Dublin und Paris auf je 13 Stimmen, so dass das Los entscheiden musste. Um den Sitz der Bankenaufsicht hatten sich insgesamt acht Städte beworben. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde wurde am 1. Januar 2011 gegründet. Hauptaufgabe ist die Schaffung einheitlicher Regeln für alle Banken im EU-Bankenmarkt. Die Behörde beschäftigt rund 170 Mitarbeiter.

Amsterdam setzte sich ebenfalls per Losverfahren gegen Mailand durch. Die EU-Arzneimittelagentur ist dafür verantwortlich, Arzneimittel in der EU wissenschaftlich zu bewerten, zu beaufsichtigen und ihre Sicherheit zu gewährleisten. Sie hat etwa 890 Mitarbeiter und hält jährlich mehr als 500 wissenschaftliche Tagungen ab. Bonn schied bereits in der ersten Runde aus. Insgesamt 19 Städte hatten Bewerbungen eingereicht.

Weiterhin zwei EU-Behörden in Deutschland

Europastaatsminister Michael Roth (SPD), der in Brüssel für Deutschland abstimmte, sagte zur Wahl, die Bundesregierung habe mit Bonn und Frankfurt am Main "zwei sehr gute Vorschläge" unterbreitet. Letztendlich sei es aber nur wichtig, dass geeignete Kandidaten gewinnen und die Agenturen ihre Arbeit sofort und uneingeschränkt am neuen Standort fortgesetzen könnten.

Mit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) in Köln und der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) in Frankfurt haben bereits zwei EU-Organe ihren Sitz in Deutschland. Die Sitze von EU-Behörden gelten als begehrt, da die Städte auf hohe Zusatzeinnahmen durch jährlich Hunderte Konferenzen und Veranstaltungen rechnen können. In London sorgten beide Agenturen zuletzt für rund 39.000 zusätzliche Hotelübernachtungen pro Jahr.