Als im vergangenen Sommer im Süden Europas die Wälder großflächig brannten, fragten sich viele Menschen: "Wo ist die Europäische Union?" Nun, sie war durchaus präsent und half. Im Juni und August mobilisierte die EU 300 Feuerwehrleute, zwölf Flugzeuge und 54 Fahrzeuge aus Spanien, Frankreich und Italien. Allerdings: Die Koordinierung der Hilfe war noch ausbaufähig.

Insgesamt starben 64 Menschen bei den Bränden in Portugal. Es waren nicht die einzigen Toten in Europa aufgrund von Naturkatastrophen: Insgesamt kamen 2017 über 200 Menschen bei ähnlichen Ereignissen ums Leben – und angesichts des sich bereits entfaltenden Klimawandels werden die Katastrophen wohl auch in Europa zunehmen.
 Dagegen will sich die EU nun besser wappnen.

"Die jüngsten Naturkatastrophen haben die Grenzen des gegenwärtigen EU-Mechanismus aufgezeigt", schreibt der für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz zuständige Kommissar, Christos Stylianides, in einem Papier, das ZEIT ONLINE vorliegt. Die Schwäche der gegenwärtigen Regelung laut Stylianides: Sie stütze sich "ausschließlich auf freiwillige Beiträge von Mitgliedsstaaten, die häufig selbst überlastet sind". Auch dafür dienen die Waldbrände in Portugal als Beleg: Einzig Italien war zu dem Zeitpunkt des Ausbruchs in der Lage, zwei Löschflugzeuge nach Portugal zu schicken. 

Woher soll das Geld kommen?

Dieses Defizit möchte die EU-Kommission nun beheben. Stylianides schlägt in dem Papier, das er am heutigen Mittwoch öffentlich vorstellen wird, die Schaffung einer "neuen Ausrüstungsreserve" vor, die auf europäischer Ebene angesiedelt ist und bei Bedarf in die jeweiligen Länder entsandt wird. Die EU will also stärker und handlungsfähiger werden, indem sie – in Abstimmung mit den Mitgliedsstaaten – über eigene Kapazitäten verfügt.

Die Pläne der Kommission klingen jedenfalls ambitioniert. Stylianides sagt: "Wir werden Flugzeuge zur Verfügung haben, um Waldbrände zu bekämpfen, Wasserpumpen für den Einsatz bei Überschwemmungen und Rettungsteams, die wir bei Erdbeben einsetzen können."  

Wie viel das alles kosten soll? Woher das Geld dafür kommen soll? Das ist dem Papier nicht zu entnehmen. Klar ist jedoch: Ohne die Mitgliedsstaaten wird es nicht gehen. Und es ist höchst ungewiss, ob in den einzelnen Mitgliedsstaaten die Krisenwahrnehmung der EU geteilt wird.

Die Kommission jedenfalls hofft auf Einsicht. "Klimawandel ist keine Fake News, sondern Realität", schreibt Stylianides in dem Papier. Und Europa, das sei schließlich "ein Kontinent der Solidarität".