Vertreter von Facebook, Twitter und Google haben bei einer Anhörung im US-Senat Fehler im Umgang ihrer Plattformen mit mutmaßlicher russischer Einflussnahme auf die US-Präsidentenwahl 2016 eingeräumt. "Die ausländische Einflussnahme, die wir gesehen haben, war verwerflich", sagte der Chef der Rechtsabteilung von Facebook, Colin Stretch, Medienberichten zufolge. "Wir stimmen zu, dass wir noch besser werden müssen, um es zu verhindern", sagte der amtierende Chef der Twitter-Rechtsabteilung, Sean Edgett, über automatisch generierte Inhalte. Es sei jedoch schwierig, die Internetdienste vor Missbrauch zu schützen. Der Versuch einer "staatlich geförderten Manipulation von Wahlen" stelle eine neue Herausforderung für soziale Medien dar.

Stretch fügte hinzu, dass Facebook mehr hätte unternehmen können, um die Einflussnahme zu stoppen. "Im Rückblick hätten wir eine breitere Linse haben sollen", sagte er. "Es gab Signale, die wir verpasst haben." Aus Russland stammende Facebook-Beiträge zur Beeinflussung der US-Politik sind dem Unternehmen zufolge weit zahlreicher als bislang angenommen.

Die Abgeordneten konzentrierten sich mit ihren Fragen hauptsächlich auf Facebook, da die Plattform eine größere Reichweite besitzt. Stretch versprach Konten zu löschen, die mit falschen Namen angemeldet worden seien. "Wir sind tief besorgt angesichts all dieser Bedrohungen", sagte Stretch während der Anhörung. "Dass ausländische Akteure, die sich hinter falschen Accounts verbergen, unsere Plattform und andere Internetdienste missbraucht haben, um Spaltung und Zwietracht zu säen, und unseren Wahlprozess zu untergraben, ist ein Angriff auf die Demokratie und verletzt all unsere Werte."

Ausmaß größer als angenommen

Der Senator und Ausschussvorsitzende Lindsey Graham sagte, die russische Regierung sei "tief verstrickt in die Manipulation von Websites sozialer Medien". Manipulationen von sozialen Medien durch ausländische Regierungen oder Extremisten seien "eine der größten Herausforderungen für die amerikanische Demokratie". Einige Senatoren zeigten sich laut Berichten frustriert über den schleppenden Fortschritt interner Untersuchungen. "Warum hat Facebook 11 Monate gebraucht, sich zu melden und uns beim Verstehen des Ausmaßes dieses Problems zu helfen?", fragte etwa der Demokrat Chris Coons.

US-Medien hatten zuvor berichtet, dass die russischen Manipulationsversuche im Internet zur Präsidentschaftswahl weitaus stärker gewesen seien als bislang angenommen. Zwischen Juni 2015 und August 2017 platzierte die mutmaßlichen Trollfabrik Internet Research Agency aus St. Petersburg rund 80.000 Posts. Das geht aus einer Facebook-Stellungnahme für den US-Kongress hervor. Diese Beiträge von teils gefälschten Nutzerprofilen könnten den Informationen nach rund 126 Millionen Nutzer erreicht haben. Die Zahl ist bedeutend, denn in den USA sind etwa doppelt so viele Menschen wahlberechtigt.

Twitter machte Insidern zufolge 2.752 dubiose Profile aus Russland aus und damit ebenfalls weit mehr als bislang bekannt. Zunächst war von gut 200 die Rede. Diese Nutzerkonten, die ebenfalls zur russischen Internet Research Agency zurückverfolgt worden seien, seien nun gesperrt und ihre Namen an die US-Behörden weitergeleitet worden. Experten zufolge beschäftigt die Fabrik Hunderte sogenannte Trolle, die über die falschen Profile Kommentare auf sozialen Netzwerken verbreiten.

Google informiert erstmals über Manipulationen

Google teilte am Montag erstmals öffentlich mit, ebenfalls manipulative Inhalte dieser Art auf seinen Plattformen entdeckt zu haben. Wie bei Facebook stünden auch diese mit der in St. Petersburg sitzenden Einrichtung Internet Research Agency in Verbindung, schrieben die ranghohen Google-Vertreter Kent Walker und Richard Salgado im offiziellen Blog des Unternehmens. Dabei handele es sich aber um "begrenzte Aktivitäten".

Auf der Videoplattform YouTube, die zu Google gehört, wurden demnach 18 seither gesperrte Kanäle gefunden, die "wahrscheinlich" mit der russischen Kampagne verbunden seien. Insgesamt wurden dort rund 1.100 englischsprachige Videos hochgeladen, die in den 18 Monaten vor der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten etwa 309.000 Mal angeklickt wurden.

Am Mittwoch sollen die Anwälte erneut befragt werden. US-Geheimdienste waren zu dem Schluss gekommen, die russische Regierung habe eine Beeinflussung des Wahlkampfs zugunsten des jetzigen Präsidenten Donald Trump angeordnet. So sollen Hacker peinliche oder belastende E-Mails aus dem Lager von Trumps Kontrahentin Hillary Clinton ausgespäht und veröffentlicht haben. Zudem soll im Auftrag Russlands Anti-Clinton-Propaganda in sozialen Netzen verbreitet worden sein.

Russland weist die Vorwürfe zurück. US-Präsident Donald Trump hat erklärt, es habe keine Kooperation zwischen seinem Wahlkampfteam und der Moskauer Regierung gegeben. Mehrere US-Ermittlergruppen befassen sich mit den Vorgängen.