Der Vorsitzende der katholischen Partei Sinn Féin in Irland, Gerry Adams, gibt nach mehr als 30 Jahren Amtszeit den Parteivorsitz ab. Er werde 2018 nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren, sagte der 69-jährige Politiker auf einem Parteitag in Dublin. 

Führung bedeute, den Zeitpunkt für einen Wechsel zu erkennen, sagte Adams. "Und dieser Zeitpunkt ist jetzt." Auf einem Parteikongress im kommenden Jahr soll nach seinem Willen ein Nachfolger gewählt werden. Auch sein Abgeordnetenmandat im irischen Parlament will Adams zum Ende der Legislaturperiode aufgeben. Sinn Féin tritt in beiden Teilen Irlands an. Im Norden ist sie zweitstärkste Kraft, in der Republik Irland die drittstärkste.

Als mögliche Nachfolgerin an der Parteispitze ist die bisherige Vizevorsitzende Mary Lou McDonald im Gespräch. Die 48-Jährige ist ebenfalls Abgeordnete im Parlament in Dublin.

Der im nordirischen Belfast geborene Adams soll laut Zeugenaussagen früher zur Spitze der militanten Untergrundorganisation IRA gehört haben, was er selbst aber bestreitet. Die IRA kämpfte im Nordirlandkonflikt für eine Loslösung von Großbritannien und die Gründung eines vereinten Irlands mit dem Süden der Insel.

Adams unterstützte Friedensabkommen und IRA-Entwaffnung

In den 1970-Jahren saß Adams wegen seiner politischen Aktivitäten zeitweise ohne Anklage im Gefängnis. Er überlebte zwei Mordanschläge militanter Protestanten. Später war Adams treibende Kraft bei der Entwaffnung der IRA. Er wurde mehrmals ins britische Unterhaus gewählt, nahm den Sitz aber aus Protest nie ein. Zuletzt saß er im irischen Parlament.

Adams war einer der maßgeblichen Architekten des Karfreitagsabkommens, das 1998 eine Machtteilung zwischen Katholiken und Protestanten festlegte und den Nordirland-Konflikt damit weitgehend beendete. Hauptziel von Sinn Féin ist es, die Teilung Irlands friedlich zu überwinden. 2005 schwor die IRA offiziell der Gewalt ab.

Adams Rücktrittsankündigung kommt in politisch turbulenten Zeiten. Die Koalitionsregierung in Nordirland zwischen Sinn Féin und der protestantisch-unionistischen DUP (Democratic Unionist Party) war Anfang des Jahres zerbrochen. Seitdem ringen die beiden Parteien um eine Erneuerung des Bündnisses. Erschwert werden die Verhandlungen durch die Rolle der DUP als Mehrheitsbeschafferin der britischen Regierung von Theresa May im Londoner Parlament. Bei der Neuwahl im Juni hatten Mays Konservative dort die Mehrheit eingebüßt.

Brexit könnte Nordirland-Konflikt befeuern

Vor allem durch Großbritanniens EU-Austritt drohen alte Konflikte wieder aufzubrechen. Befürchtet wird, dass an der Grenze zwischen den beiden Teilen der irischen Insel wieder Kontrollen eingeführt werden müssen, wenn Großbritannien im März 2019 aus der Europäischen Union austritt.

Sinn Féin werde darauf hinarbeiten, innerhalb der kommenden fünf Jahre eine Volksabstimmung über die Vereinigung der beiden irischen Landesteile zu organisieren, kündigte Adams an.