Die Welt ist voller Tod und Elend. In Myanmar haben die Militärs eine halbe Million muslimische Rohingyas in die Flucht nach Bangladesch geschlagen. In Syrien, wo seit sechs Jahren Bürgerkrieg herrscht, sind 12 Millionen Menschen entwurzelt, die Hälfte im eigenen Land, über fünf Millionen sind ins Ausland geflohen; die Vereinten Nationen rechnen mit 400.000 Kriegstoten. In Ostafrika sind siebzehn Millionen Menschen vom Hungertod bedroht, davon allein 6,5 Millionen Unterernährte im Südsudan, wo ein Bürgerkrieg vielen von ihnen die Heimat genommen hat. 

Elend also, wohin wir blicken. Am schlimmsten jedoch sieht es im Jemen aus – jenem Landstrich, den die alten Römer Arabia felix nannten: glückliches, fruchtbares, grünes Arabien. Heute ist es die Hölle.

Seit 2011 herrscht dort Bürgerkrieg zwischen den schiitischen Huthis und der sunnitischen Mehrheit. Alle Vermittlungsversuche der Vereinten Nationen und der Golf-Emirate scheiterten. Im September 2014 zogen sich die Huthis – von den Saudis als Handlanger des Iran hingestellt – aus den Verhandlungen zurück, stürzten den Präsidenten Hadis und besetzten den nordwestlichen Landesteil samt der Hauptstadt Sanaa. Darauf griffen die Saudis, unterstützt von den Vereinigten Arabischen Emiraten, militärisch in den Konflikt ein, um den Status quo ante wiederherzustellen. Es wurde ein ungemein blutiger Krieg.

Die Saudis verlegten sich vor allem auf einen erbarmungslosen Bombenkrieg. Ihre Luftwaffe bombardierte unterschiedslos Rebellen-Einheiten, Wohnviertel, Hotels, Trauerfeiern, Hospitäler und Fabriken; Kollateralschäden seien eben unvermeidlich, sagte der saudische UN-Botschafter. Seit Donald Trump im Amt ist, bomben auch die Amerikaner kräftig mit, fliegen Drohnenangriffe oder schicken ihre Navy Seals. Die Briten sind ebenfalls beteiligt.

Doch im Krieg gibt es keine Unschuld: Die Huthis bilden Kindersoldaten aus und feuern Raketen auf saudisches Gebiet. Einen ihrer Angriffe auf den Flughafen von Riad beantworteten die Saudis mit 29 "Luftschlägen" vor allem gegen Sanaa (die Rakete wurde von einer Patriot abgeschossen; der Iran bestritt, dass er der Lieferant war). Außerdem blockierte Saudi-Arabien alle Häfen, Flughäfen und Straßen, über die Nachschub in das Gebiet der Rebellen gelangen konnte.

Das Ergebnis ist zum Schaudern. Von den 26 Millionen Jemeniten haben drei Millionen ihre Heimat verloren. Zehntausend Menschen sind ums Leben gekommen, 42.000 wurden verletzt. Über zwei Millionen Kinder sind unterernährt. Schon ohne Krieg musste der Jemen 85 Prozent seines Bedarfs an Lebensmitteln und Medikamenten einführen; nun sind sieben Millionen Menschen komplett auf das Hilfsprogramm der World Food Organization angewiesen. Aber die saudische Blockade macht eine ausreichende Versorgung mit Hilfsgütern unmöglich. Die Vorräte reichen nur noch für vier Wochen.