Die Vereinten Nationen und mehr als 20 internationale Hilfsorganisationen fordern das Ende der Blockade der Luft-, Land- und Seeverbindungen in den Jemen. Geschehe das nicht, drohten Millionen Menschen Hunger und Tod, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die Häfen und Flughäfen in dem Land müssten umgehend wieder geöffnet werden, um Lebensmittel, Benzin und Medikamente ins Land zu transportieren.

Nur noch Vorräte für sechs Wochen

Ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis hatte die Blockade initiiert, nachdem schiitische Rebellen im Jemen am Wochenende eine Rakete in Richtung der saudi-arabischen Hauptstadt Riad abgefeuert hatten. Die UN beklagen, von den Plänen dieser Blockade nicht rechtzeitig informiert worden zu sein.

Nach Angaben der Hilfsorganisationen, darunter Care, Save the Children und Islamic Relief, sind im Jemen etwa zwei Drittel der Bevölkerung abhängig von Importen. Schon jetzt benötigten mehr als 20 Millionen Menschen dort Hilfe, sieben Millionen lebten unter Bedingungen, die einer Hungersnot gleichen. Die Nahrungsmittelvorräte werden den Schätzungen der Organisationen zufolge noch etwa sechs Wochen reichen. Impfstoffe gibt es noch für einen Monat.

"Vergesst Südsudan, vergesst Somalia!"

Der Konflikt könnte zur schwersten Hungersnot führen, die die Welt seit Jahrzehnten erlebt habe, warnte UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock. "Es wird nicht wie die Hungersnot im Südsudan in diesem Jahr sein, wo Zehntausende Menschen betroffen waren. Es wird nicht wie die Hungersnot 2011 in Somalia sein, wo 250.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Es wird die größte Hungersnot sein, die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen hat – mit Millionen von Opfern", sagte er nach einer Sitzung des Weltsicherheitsrats.

Im Jemen im Süden der arabischen Halbinsel herrscht seit 2014 ein Bürgerkrieg – der sich inzwischen zu einem Stellvertreterkrieg der beiden Schutzmächte Saudi-Arabien und Iran ausgewachsen hat. So hatten schiitische Huthi-Rebellen große Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht und konnten dabei vor allem auf die Unterstützung des Iran zählen; das Regime im Teheran versteht sich als Schutzmacht aller Schiiten. Dem gegenüber steht die sunnitische Großmacht Saudi-Arabien als loyaler Partner der regulären Regierung in Sanaa, das mithilfe weiterer Bündnispartner Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen fliegt.

Die Kämpfe, bei denen inzwischen mehr als 10.000 Menschen getötet worden sein sollen, verschlimmert die humanitäre Lage im Jemen zusehends, das als eines der ärmsten Länder der Region gilt. Hinzu kommt eine Cholera-Epidemie, in deren Verlauf in den vergangenen Monaten 1.900 Menschen getötet und sich zusätzlich eine halbe Million Menschen infiziert haben sollen.