In Haiti sind Hunderte Oppositionsanhänger auf die Straße gegangen, um gegen das Wiedererstarken der Armee und gegen Regierungskorruption zu demonstrieren. Sie blockierten Straßen und setzten Reifen sowie einen Lkw in Brand. "Wir wollen diese Armee der Diebe nicht. Wir brauchen eine Armee, die uns Sicherheit bringt. Sie wollen uns arme Menschen umbringen", sagte Robert Nossant, der in einem Armenviertel der Hauptstadt Port-au-Prince lebt.

Unter anderem bringen die Haitianer ihre Wut über eine Polizeioperation vom vergangenen Montag zum Ausdruck. Die Polizei hatte eingeräumt, dass dabei mindestens sieben Zivilisten getötet worden waren. Auch zwei Polizisten wurden erschossen.

Opposition fürchtet "Armee der Folterer"

Präsident Jovenel Moïse wolle eine "Armee der Folterer" aufbauen, sagte der Anwalt André Michel, der eine Oppositionsbewegung anführt. Moïse hätte die Armee nicht einseitig wieder aufbauen dürfen, sondern erst eine nationale Debatte darüber führen müssen. Während der Demonstration in der Hauptstadt fand in der nördlichen Küstenstadt Cap-Haïtien die erste Militärparade des Landes seit 23 Jahren statt.

Wegen ihrer Beteiligung an zahllosen Unterdrückungsaktionen und Staatsstreichen war Haitis Armee 1995 aufgelöst worden. Die Streitkräfte wurden 2015 neu aufgestellt. Präsident Moïse mobilisierte die Armee am Freitag wieder offiziell.