Es bleibt mysteriös, wie es mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri und seinem möglichen Rücktritt weitergeht. Nachdem er vor drei Wochen von Saudi-Arabien aus erklärt hatte, sein Amt niederlegen zu wollen, machte er nun einen Rückzieher. Der 47-Jährige war am Dienstagabend in seine Heimat zurückgekehrt und hatte am Mittwochmorgen erklärt: Er setze den Rücktritt aus, nachdem Präsident Michel Aoun ihn gebeten habe, diesen zu überdenken.

Hariri war, angeblich aus Angst vor einem Attentat, nach Saudi-Arabien geflohen und hatte von dort am 4. November seinen Rücktritt erklärt. Diese Ankündigung verband er mit schweren Vorwürfen gegen den Iran und die schiitische Hisbollah-Miliz. Danach blieb er im Ausland. Aoun lehnte es aber ab, Hariris Rücktritt anzunehmen, bevor er persönlich mit ihm gesprochen habe. Dazu hatte er nun Gelegenheit: Beide trafen in Beirut bei einer Militärparade anlässlich des Unabhängigkeitstages zusammen.

Die Rücktrittserklärung führte zu einer politischen Krise im Libanon und löste Spekulationen aus, dass Saudi-Arabien Hariri dazu gezwungen und ihn gegen seinen Willen festgehalten haben könnte. Hariri ist sunnitischer Muslim und ein Verbündeter Saudi-Arabiens, das mit dem Iran um die Vorherrschaft in der Region rivalisiert.