Der Vorsitzende von Amnesty International in der Türkei, Taner Kılıç, bleibt weiter in Untersuchungshaft. Das habe ein Istanbuler Gericht entschieden, teilte der Türkei-Experte von Amnesty, Andrew Gardner, auf Twitter mit. Der Prozess richtet sich gegen elf Menschenrechtler, darunter auch gegen den deutschen Staatsbürger Peter Steudtner, der vor zwei Wochen aus der Untersuchungshaft entlassen worden war und nach Deutschland ausreisen durfte.

Kılıç werden von der Staatsanwaltschaft Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen, die die türkische Regierung für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht. Er sitzt seit mehr als fünf Monaten in Izmir in Untersuchungshaft und wurde per Video in den Gerichtssaal geschaltet. Steudtner war bereits vor zwei Wochen aus der Untersuchungshaft entlassen worden und durfte nach Deutschland ausreisen.

Amnesty forderte die Freilassung von Kılıç und einen Freispruch für alle elf Angeklagten. "Diese Farce sollte heute enden", schrieb Gardner. Er veröffentlichte außerdem eine Aussage von Kılıç: "Ist es meine Schuld, dass die Polizei ihren Bericht nicht liefert? Aber ich bin derjenige, der bestraft wird." Kılıç kritisierte laut Gardner auch die Haftbedingungen. Er befinde sich in einer Zelle für acht Menschen mit teilweise bis zu 23 anderen. "Diese Situation kann nicht weitergehen."

Laut den Tweets von Gardner geht es in der Anhörung unter anderem um die App ByLock. Kılıç soll das verschlüsselte Nachrichtenprogramm genutzt haben, das auch die Gülen-Bewegung nutzte.

Steudtner, seinem schwedischen Kollegen Ali Gharavi und neun türkischen Menschenrechtlern wird "Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation" beziehungsweise Terrorunterstützung vorgeworfen. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Haft. Unter den Angeklagten ist auch die Amnesty-Landesdirektorin İdil Eser. Alle Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Zum Prozessauftakt am 25. Oktober hatte das Gericht alle Angeklagten bis auf Kılıç aus der U-Haft entlassen. Steudtner und Gharavi reisten am Tag darauf nach Berlin. Sie nehmen an der Fortsetzung des Verfahrens in Istanbul nicht teil.

Steudtner, Gharavi und acht türkische Menschenrechtler waren am 5. Juli bei einem Workshop auf einer Insel vor der Küste Istanbuls unter Terrorverdacht festgenommen worden.