Die Missbrauchsvorwürfe gegen den republikanischen Kandidaten für den US-Senat, Roy Moore, werden zur Belastung für die Partei. Mitch McConnell, der Anführer der Republikanerfraktion im Senat, forderte Moore zum Rückzug auf. Er zweifle nicht an den Vorwürfen: "Ich glaube den Frauen", sagte McConnell.

Der Rechts-außen-Politiker Moore kandidiert bei der Wahl am 12. Dezember im Bundesstaat Alabama für einen Sitz im US-Senat. Da die Republikaner im Senat nur einen Zwei-Stimmen-Vorsprung vor den Demokraten haben, wäre eine Niederlage bei der Wahl ein herber Rückschlag.

Der 70-jährige ehemalige Richter am obersten Gericht Alabamas gilt als christlicher Fundamentalist. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe waren führende Republikaner auf Distanz zu ihm gegangen, nun vollzogen viele den Bruch. Moore sollte abtreten, sagte Mehrheitsführer McConnell. Auch der prominente republikanische Senator Lindsey Graham erklärte: "Moore würde sich selbst, dem Bundesstaat, der Partei und dem Land einen Gefallen tun, wenn er abtritt." Das Weiße Haus hatte mitgeteilt, Moore solle aufgeben, falls die Vorwürfe gegen ihn zuträfen.

Weiterer Vorwurf gegen Moore

Unterdessen warf eine fünfte Frau dem Senatskandidaten vor, sie als Minderjährige sexuell belästigt zu haben. Die heute 55-Jährige schilderte auf einer Pressekonferenz in New York, wie sie als 16-jährige Kellnerin von Moore in ein Auto gelockt und belästigt worden sei. Er habe ihr angeboten, sie nach Hause zu fahren, sagte Nelson. Stattdessen habe Moore die Türen verriegelt "und versucht, meinen Pulli hochzuziehen", sagte die Frau. "Ich dachte, er will mich vergewaltigen." Sie habe sich gewehrt, woraufhin Moore schließlich aufgegeben habe.

Die Vorwürfe gegen Moore reichen in die späten 1970er Jahre zurück. In einem Artikel der Washington Post hatten mehrere Frauen geschildert, wie sie damals sexuell bedrängt und angegriffen worden seien. 

Moore, der ein angespanntes Verhältnis zur republikanischen Partei hat, weist die Vorwürfe zurück. Der 70-Jährige warf McConnell eine "schmutzige Intrige" vor, die ihn zerstören solle. Er ließ keine Bereitschaft zum Rücktritt erkennen.

Moore steht für extreme Positionen

Dass McConnell und andere republikanische Parteigrößen Moore loswerden wollen, liegt aber nicht an den Missbrauchsvorwürfen allein. Bei der innerparteilichen Vorwahl im September hatte sich Moore gegen den gemäßigteren Gegenkandidaten Luther Strange durchgesetzt, der vom Washingtoner Establishment unterstützt wurde. Moore ist dagegen bekannt für seine extremen Positionen, er tritt zum Beispiel gegen Homosexuelle und Muslime ein. Zweimal war er von seinem Posten in Alabamas Supreme Court entfernt worden: einmal, weil er sich weigerte, eine steinerne Tafel mit den Zehn Geboten aus der Lobby des Gerichtsgebäudes zu entfernen, ein zweites Mal, weil er das Urteil des höchsten US-Gerichts zur Legalisierung von Homo-Ehen ignorierte.

Den Wahlgesetzen von Alabama zufolge kann Moores Name nicht mehr von den Stimmzetteln gestrichen werden. McConnell und weitere Parteiführer erwägen deshalb, einen anderen republikanischen Kandidaten für eine sogenannte Write-in-Kandidatur zu gewinnen. Die Wähler müssten dann den Namen dieses Gegenkandidaten handschriftlich auf den Wahlzettel einfügen.

Moore kandidiert für den Sitz, der durch den Wechsel von Jeff Sessions an die Spitze des Justizministeriums frei geworden ist. Unterstützung erhielt er dabei unter anderem von dem früheren Chefstrategen von Präsident Donald Trump, Stephen Bannon.