Die Beziehungen zwischen den USA und den Palästinensern sind auf einem neuen Tiefpunkt. Das US-Außenministerium kündigte an, die Mission der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO in Washington zu schließen. Die Palästinenser drohten am Samstag ihrerseits damit, die Kommunikation mit der Regierung von Präsident Donald Trump gänzlich abzubrechen, sollte diese die diplomatische Vertretung tatsächlich schließen.

Hintergrund des Streits sind die Versuche der Palästinenserführung, Israel wegen seines illegalen Siedlungsbaus in den Palästinensergebieten vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen. Präsident Mahmud Abbas hatte diese Forderung bei der Generaldebatte der Vereinten Nationen im September bekräftigt und damit nach Auffassung der US-Regierung eine Linie überschritten.

Eine Gesetzesklausel ermöglicht der US-Regierung die Schließung des PLO-Büros in Washington, wenn die Palästinenser den IStGH gegen Israel einschalten wollen. Dem Gesetzestext zufolge hat Trump nun 90 Tage Zeit zu entscheiden, ob die Palästinenser bis dahin "direkte und bedeutungsvolle" Friedensverhandlungen mit Israel aufgenommen haben. In einem solchen Fall könne die Mission wieder öffnen, hieß es aus Regierungskreisen.

Der palästinensische Außenminister Riad Malki sagte dem Sender Radio Palästina: "Die palästinensische Führung wird keine Erpressung oder Druck akzeptieren". Der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat erklärte, die Palästinenser würden die Kommunikation mit den USA abbrechen, sollte die US-Regierung die Ankündigung wahr machen. Ihre Entscheidung sei "unglücklich und inakzeptabel" und dem Druck Israels geschuldet. Ähnlich äußerte sich auch ein Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Die US-Regierung habe sich damit als "Vermittler und Förderer des politischen Prozesses disqualifiziert".

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte lediglich mit, es handle sich um eine US-Gesetzesangelegenheit. Das US-Außenministerium muss einem Beamten zufolge regelmäßig den Betrieb des Büros genehmigen. Die jüngste Zertifikationsperiode sei im November abgelaufen und das Ministerium nicht in der Lage gewesen, eine neue Erlaubnis zu erteilen. Der Beamte bezog sich dabei auf ein Gesetz, das den Betrieb des Büros an bestimmte Bedingungen knüpft. Nach der Schlussfolgerung von Außenminister Rex Tillerson sei dieses Gesetz durch das Bestreben der Palästinenser, Israel unter anderem wegen der jüdischen Siedlungen vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen, verletzt worden.

Die Palästinenser trauen Trump nicht

Vertreter der US-Regierung dementierten, dass diese mit der Schließung Druck auf die Palästinenser im Nahost-Friedensprozess aufbauen wolle. Eine neue Initiative von Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner hat noch keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Die Palästinenser sehen sie mit Blick auf Trumps enge Beziehungen zu Israel ohnehin mit Skepsis.

Die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO ist formeller Repräsentant des palästinensischen Volkes. Obwohl die USA Palästina nicht als Staat anerkennen, gibt es in Washington eine Generaldelegation, die die Kontakte zwischen Vertretern der palästinensischen Führung und der US-Regierung ermöglicht.

Die PLO-Mission öffnete 1994 unter dem damaligen Präsident Bill Clinton, 2011 wurde den Palästinensern unter Barack Obama erlaubt, dort auch ihre Flagge zu hissen – eine Aufwertung ihres Status. Mehrere Staaten und internationale Organisationen erkannten Palästina zudem in den vergangenen Jahren als Staat an. Israel lehnt dies kategorisch ab.