Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus, dass eine Bodenoffensive in Nordkorea nötig wäre, um das nukleare Waffenprogramm des Landes zu zerstören. Das geht aus einem Brief von Konteradmiral Michael J. Dumont für den gemeinsamen Stab des US-Militärs hervor.

Dem Schreiben zufolge gehen die US-Generäle außerdem davon aus, dass Nordkorea im Kriegsfall biologische und chemische Waffen einsetzen könnte. Das Land hat die Chemiewaffenkonvention, die die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und den Einsatz chemischer Waffen verbietet, nicht unterzeichnet. "Nordkorea hat die Möglichkeit, Nerven-, Haut-, Blut- und Lungenkampfstoffe herzustellen, und es ist wahrscheinlich, dass sie über einen Vorrat an chemischen Kampfstoffen verfügen", schreibt Dumont.

In dem Brief wird auch auf die Folgen eines solchen Krieges eingegangen. So sei selbst eine grobe Schätzung der Todeszahlen in einem solchen Fall schwierig, heißt es in dem Schreiben. Südkoreas Hauptstadt Seoul, in der 25 Millionen Menschen leben, liegt nur knapp 60 Kilometer von der entmilitarisierten Zone entfernt, die Nord- und Südkorea trennt. "Die Anzahl der Opfer ist stark abhängig von der Natur, Stärke und Dauer eines nordkoreanischen Angriffs", schreibt Dumont. Auch die Vorwarnzeit, die Zivilisten im Falle eines Angriffs hätten, könne die Opferzahl im Falle eines Krieges stark beeinflussen, da sie in Bunker fliehen könnten.

Antworten auf Anfragen von Demokraten

Dumonts Brief beantwortet die Fragen von zwei demokratischen Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus, die Ende September an US-Verteidigungsminister James Mattis gestellt worden waren. Mit den Fragen wollten sie darauf aufmerksam machen, welche Konsequenzen ein Krieg mit Nordkorea haben könnte, wie viele Opfer zu erwarten wären, wie die USA einen Angriff Nordkoreas verhindern und wie sie im Kriegsfall auf die humanitäre Notlage reagieren würden.

Anlass für den Brief der beiden Parlamentarier waren die Äußerungen von US-Präsident Trump, der Nordkorea Mitte September mehrfach öffentlich mit einem militärischen Angriff gedroht hatte. "Der Raketenmann ist auf einem selbstmörderischen Weg", hatte Trump gesagt. Wenn es nötig sei, würden die USA das Land "total zerstören". Während  US-Außenminister Rex Tillerson versuchte, den Konflikt diplomatisch zu lösen, schrieb Trump auf Twitter, dass Tillerson mit Verhandlungen seine Zeit verschwende und er tun werde, was getan werden müsse.

Trump und seine Aussagen kommen in Dumonts Brief nicht vor. Stattdessen lud Dumont die beiden demokratischen Abgeordneten ein, in einem nicht-öffentlichen Gespräch über die Details der amerikanischen Nordkorea-Strategie zu sprechen.

Der US-Nordkorea-Konflikt besteht bereits seit Jahrzehnten. Das Regime von Kim Jong Un verfügt über Atomwaffen und arbeitet daran, sie in Sprengköpfe zu bauen, die klein genug sind, um mithilfe von Langstreckenraketen die USA zu erreichen. Außerdem provoziert das Regime seit Monaten mit Raketentests immer wieder die internationale Gemeinschaft. Sowohl US-Präsident Trump als auch Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un drohten sich in den vergangen Monaten immer wieder, mit Waffengewalt den Konflikt zu eskalieren.