Pesco – an dieses Akronym wird man sich Zukunft gewöhnen müssen. Pesco markiert nämlich den ersten ernsthaften Schritt der EU zur Gründung einer Verteidigungsunion seit 1954. Damals war das erste Mal die Rede von einer europäischen Verteidigungsunion. Die Mitgliedsstaaten konnten sich in all den Jahrzehnten aber nie auf etwas Greifbares einigen. Warum sollten sie sich auch ums Militärische kümmern müssen? Sie konnten sich des Schutzes durch Amerika gewiss sein. Das ist vorbei, spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.

Trumps Wahl hat den Europäern sprichwörtlich Beine gemacht. Am Montag unterzeichneten die Außen- und Verteidigungsminister der EU ein Dokument, in dem sie sich zu einer Zusammenarbeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen verpflichten. Permanent Structured Cooperation heißt das Papier, Permanente Strukturierte Zusammenarbeit. Pesco eben. 23 der 28 EU Mitgliedsstaaten haben das Dokument unterzeichnet. Draußen blieben nur Portugal, Irland, Malta, Dänemark und Großbritannien, das ohnehin die EU verlassen wird.

Wer Pesco unterzeichnet, geht Verpflichtungen ein. Zum Beispiel die, das Verteidigungsbudget "regelmäßig zu erhöhen, um die vereinbarten Ziele zu erreichen".  Einzelne Staaten haben die Möglichkeit, in Verteidigungsfragen zusammenzuarbeiten, ohne auf andere warten zu müssen. 15 Staaten haben bereits 47 konkrete Projekte angestoßen, die schnell vorangetrieben werden sollen. Deutschland etwa will ein Exzellenzzentrum für Auslandsmissionen einrichten und ein verlegbares Krankenhaus aufbauen. Die Niederländer möchten, dass es leichter wird, innerhalb der EU Truppen hin- und herzubewegen. Es ist auch die Rede von Battlegroups mit französischen, deutschen und polnischen Soldaten. Die Staaten, die an einzelnen Projekten nicht sofort teilnehmen wollen, können sich später anschließen.

Die EU spricht offiziell nicht von einer Verteidigungsunion, sondern von einer "militärischen Komponente", die man sich nun gegeben habe. Die Zurückhaltung hat gute Gründe. Die EU will unbedingt vermeiden, dass ihre Bemühungen als Versuch betrachtet werden, eine Alternative zur Nato aufzubauen. Die Nato bleibt das entscheidende militärische Bündnis des Westens. Die EU will und kann keinen Ersatz bieten. Doch sie kann, wie es heißt, "komplementäre Aufgaben" zur Nato übernehmen. Die EU etwa wird sich in Zukunft wohl bei militärischen Missionen in Afrika stärker engagieren. Die Nato, die als Gegengewicht zum kommunistischen Warschauer Pakt gegründet wurde, hat dort traditionell keine Präsenz.

Es wird schwierig werden, die unterschiedlichen militärischen Kapazitäten aufeinander abzustimmen. Da wird viel Feinarbeit nötig sein. Da wird vieles nicht sofort rund laufen. Wie sollte es anders sein, bei einer Union mit 28 Mitgliedsstaaten? Trotzdem, Pesco ist ein großer Schritt in Richtung europäischer Selbstertüchtigung. Die Botschaft der Unterzeichner ist klar: Wir sind bereit, mehr für unsere Sicherheit zu tun, und wir sind in der Lage, die Bürger Europas, wenn nötig, auch militärisch zu schützen.