Die britische Ministerin für Entwicklungshilfe, Priti Patel, ist wegen einer Reihe nicht abgesprochener Treffen mit politischen Vertretern in Israel von ihrem Amt zurückgetreten. Patel habe sich für ihr Verhalten in einem Brief an Premierministerin Theresa May entschuldigt, teilte die britische Regierung mit.

Konkret werden Patel Treffen mit israelischen Regierungsvertretern, Lobbyisten und Geschäftsmännern während ihres Urlaubs im August vorgeworfen. Auch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu soll Patel demnach während ihrer Zeit in Israel getroffen haben. Die Begegnungen seien weder mit Außenminister Boris Johnson noch mit May abgesprochen gewesen.

Patel kehrte am Abend vorzeitig von einem offiziellen Besuch aus Uganda zurück. Wie der Guardian berichtet, hatte sie Premierministerin May wegen der Vorwürfe zurückbeordert.

"In den vergangenen Tagen gab es zahlreiche Berichte über meine Aktivitäten in Israel und es tut mir Leid, dass diese von der Arbeit des Entwicklungshilfeministeriums und der Regierung ablenkten", schrieb Patel in dem Brief an May. Ihr Verhalten würde den hohen Standards eines Ministeramtes nicht gerecht. Obwohl sie beste Absichten verfolgt habe, seien die Termine nicht transparent gewesen.

Patel erörterte in ihrem Ministerium nach dem Urlaub die Möglichkeit, dem israelischen Militär medizinische Hilfe für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge auf den Golanhöhen zukommen zu lassen. Die israelische Zeitung Haaretz berichtet, hat Patel während ihres Israel-Urlaubs im August ein israelisches Feldlazarett auf den Golanhöhen besucht. Das ist politisch brisant, weil Großbritannien die israelische Besetzung der 1967 im Sechstagekrieg eroberten Golanhöhen als illegal betrachtet.

Zweiter Rücktritt binnen einer Woche

Die 45-Jährige ist bereits das zweite britische Kabinettsmitglied, das innerhalb einer Woche zurücktritt. Vergangene Woche hatte Verteidigungsminister Michael Fallon wegen Vorwürfen sexueller Belästigung sein Amt niederlegte.

Ihr Rücktritt könnte auch die anstehenden Brexit-Verhandlungen beeinflussen: Im Wahlkampf vor dem Referendum im vergangenen Jahr setzte sich Patel vehement für einen EU-Austritt ihres Landes ein. Bereits am Donnerstag verhandeln die EU und Großbritannien die finanziellen Verpflichtungen Großbritanniens nach dem Brexit. Im Dezember soll dem bisherigen Plan zufolge die zweite Phase der Verhandlungen über die künftigen Beziehungen eingeläutet werden.

Patel sitzt seit 2010 für den ostenglischen Wahlkreis Witham im Parlament. Bevor sie 2016 Entwicklungshilfeministerin wurde, hatte sie Posten als Staatssekretärin im Finanzministerium und Arbeitsministerium inne. Die Politikerin kommt aus einer Familie indischstämmiger Ugander, die in den sechziger Jahren nach Großbritannien einwanderten. Patel galt zwischenzeitlich gar als mögliche Nachfolgerin von Premierministerin May.