Saad Hariri - Libanesischer Ex-Premier in Paris Der zurückgetretene libanesische Regierungschef Saad Hariri hat sich in Paris mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron getroffen. Am Mittwoch will Hariri nach Beirut zurückkehren, um die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag zu begehen. © Foto: Benoit Tessier/Reuters

Der zurückgetretene libanesische Regierungschef Saad Hariri ist in Paris eingetroffen. Nach Angaben aus seinem Umfeld und einem Bericht des der Hariri-Familie gehörenden Fernsehsenders Future TV erreichte er aus Saudi-Arabien kommend die französische Hauptstadt. Eine Quelle am Flughafen Le Bourget bei Paris bestätigte, dass Hariri gegen sieben Uhr morgens gelandet sei. Der libanesische Fernsehsender LBCI zeigte Livebilder von der Ankunft des Ehepaars Hariri vor seiner Pariser Wohnung.

Geplant ist zunächst ein Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, bevor Hariri dann Mitte kommender Woche zurück in den Libanon reisen will. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur NNA plant der 47-Jährige, pünktlich zum libanesischen Unabhängigkeitstag am kommenden Mittwoch in die Hauptstadt Beirut zurückzukehren und an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Darüber habe er Präsident Michel Aoun informiert. NNA zufolge hatte Hariri den Staatschef nach seiner Landung am Morgen in Paris angerufen.

Kurz vor dem Abflug hatte Hariri per Twitter mitgeteilt: "Ich bin auf dem Weg zum Flughafen." Er hob hervor: "Zu sagen, dass ich in Saudi-Arabien festgehalten werde und es mir verboten sei, das Land zu verlassen, ist eine Lüge." Dabei wandte er sich auch direkt an Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der zuvor den libanesischen Außenminister Gebran Bassil in Berlin getroffen und die Politik Saudi-Arabiens in der Region als "Abenteurertum" bezeichnet hatte. Nach der humanitären Krise durch den Krieg im Jemen und dem Konflikt mit dem Golfemirat Katar sei mit der Art und Weise, "wie mit dem Libanon umgegangen wird", nun die Spitze erreicht.

Iran gegen Saudi-Arabien

Damit spielte Gabriel auf die Spekulationen an, dass das saudische Königshaus Hariri während dessen Aufenthalt in Riad zum Rücktritt von seinem Amt als libanesischer Regierungschef gezwungen haben soll. Am 4. November hatte Hariri überraschend diesen Schritt vollzogen und während einer TV-Ansprache im saudischen Fernsehen schwere Vorwürfe gegen die schiitische Miliz Hisbollah und deren Schutzmacht Iran ausgesprochen. Beide sollen einen Anschlag gegen ihn planen, um so den Libanon weiter zu destabilisieren.

Daraufhin hieß es, Saudi-Arabien, das mit dem Iran um die Vorherrschaft in der Region buhlt, habe Hariri zum Rücktritt und dieser Begründung gezwungen. Zudem werde er von den Saudis festgehalten und dürfe das Land nicht mehr verlassen. Daraufhin schaltete sich Frankreich in den Konflikt ein: Präsident Macron lud Hariri und seine Familie ein, nach Paris zu kommen, betonte aber zugleich, dass es sich dabei nicht um das Angebot eines "politischen Asyls" handelt.

Dieser Einladung ist Hariri nun nachgekommen. Wann und ob Hariri wieder abreist und in den Libanon zurückreist, ist bislang nicht bekannt. Seine Rückkehr nach Beirut gilt indes als Voraussetzung für die Lösung der politischen Krise, die er mit seinem Rücktritt im Libanon ausgelöst hatte. Einige Beobachter befürchten, dass der Staat zum Schauplatz eines neuen Stellvertreterkonflikts zwischen den rivalisierenden Regionalmächten Iran und Saudi-Arabien werden könnte.