Die saudische Führung hat Medienberichten zufolge im Zuge einer Antikorruptionskampagne elf Prinzen und zahlreiche frühere Regierungsminister festnehmen lassen. Die Regierung von König Salman bestätigte eine Untersuchung. In einer offiziellen Erklärung hieß es, "einige schwache Seelen" hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, "um illegal Gelder anzuhäufen". Namen wurden nicht genannt. Darüber hinaus teilte das Königshaus eine Umbildung des Kabinetts mit, bei der ein neuer Wirtschaftsminister sowie ein neuer Chef der Nationalgarde ernannt wurden.

Die Festgenommenen sollen in einem Nobelhotel in der Hauptstadt Riad festgehalten werden. Die Telefonleitung des Hotels war am Sonntagmorgen abgeschaltet. Für alle Geschäfts- und Privatflugzeuge wurde am Flughafen von Riad ein Startverbot erlassen.

Unter den Betroffenen ist auch der Milliardär Prinz Alwalid bin Talal, wie ein Mitarbeiter von dessen Investmentgesellschaft bestätigte. Bin Talal zählt zu den reichsten Menschen im Nahen Osten. Er hat in Konzerne wie Twitter, Apple, Rupert Murdochs News Corporation, die Citigroup und die Hotelkette Four Seasons investiert. Er gilt außerdem als einer der meinungsstärksten saudischen Prinzen und hat lange für eine Stärkung der Frauenrechte plädiert. Bereits im September hatten die Behörden des Königreichs rund 25 Menschen festgenommen, darunter einflussreiche Geistliche.

Hinter dem Vorgehen wird der neue saudische Kronprinz Mohammed bin Salman vermutet. Er ist erst vor wenigen Monaten zum Thronfolger ernannt worden und gilt als treibende Kraft hinter den Personalentscheidungen in der Monarchie. Der 32-Jährige leitet auch eine neue Antikorruptionskommission, die nach der Kabinettsumbildung umfangreiche Befugnisse hat. So kann das Komitee Ermittlungen einleiten, Haftbefehle erlassen sowie Reiseeinschränkungen und das Einfrieren von Vermögenswerten anordnen.

Saudi-Arabien ist vom Wahhabismus geprägt, einer besonders strengen und traditionellen Lesart des Islam. Mohammed bin Salman hatte Ende Oktober bei einem Wirtschaftsforum eine Abkehr seines Landes von ultrakonservativen Religionsprinzipien in Aussicht gestellt. Das Herrscherhaus der Al-Saud hatte bereits Mitte des 18. Jahrhunderts ein Bündnis mit wahhabitischen Religionsgelehrten geschlossen, das bis heute Bestand hat und den Gelehrten weitreichenden Einfluss auf Religions- und Lebenspraxis in Saudi-Arabien gewährt.