Simbabwes künftiger Übergangspräsident Emmerson Mnangagwa kehrt aus dem Exil zurück. Bereits am Freitag soll er als neues Staatsoberhaupt von Simbabwe vereidigt werden, teilte der staatliche Rundfunk mit. Der ehemalige Vizepräsident war Anfang November vom damaligem Präsidenten Robert Mugabe entlassen worden und hatte daraufhin das Land verlassen. Das Militär hatte daraufhin geputscht und Mugabe unter Hausarrest gestellt. Am Dienstag gab Mugabe offenbar freiwillig sein Amt auf. Die Regierungspartei Zanu-PF ernannte Mnangagwa daraufhin zum Übergangspräsidenten und kündigte an, dass er aus dem Ausland zurückkehren werde. Wo er sich aufhielt, war nicht bekannt.

Der Rücktritt Mugabes löste in Simbabwe zunächst Freude aus, auf den Straßen Simbabwes feierten die Menschen bis in die Nacht. Die Opposition fordert nun faire und freie Wahlen, auch internationale Organisationen hoffen auf einen Neuanfang. Unter der Herrschaft Mugabes seien Zehntausende gefoltert worden, viele Oppositionelle seien auf mysteriöse Weise verschwunden oder getötet worden, sagte der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty. "Präsident Mugabe hat Menschenrechtsverletzungen geduldet, kriminelles Handeln verteidigt und eine Kultur der Straffreiheit für groteske Verbrechen gefördert." 

Es ist allerdings fraglich, ob Mnangagwa das ändern wird. Der Politiker, auch bekannt unter seinem Spitznamen "Das Krokodil", wird sowohl von seiner Partei als auch vom Militär gestützt. Er ist seit Jahrzehnten führendes Mitglied der politischen Elite und gilt als Hardliner. Unter Mugabe führte er unter anderem den Geheimdienst und das Justizministerium, galt als seine rechte Hand. Sein Verhältnis zu Mugabe sei wie zwischen "Vater und Sohn", sagte Mnangagwa mal.  

In den Sechzigerjahren kämpfte er wie Mugabe gegen die britische Kolonialmacht und das weiße Minderheitsregime. Wegen Sabotageakten wurde er 1965 zum Tode verurteilt, jedoch entging er der Strafe. Er war zehn Jahre in Haft und studierte dann Jura in Sambia. Ab 1976 war der persönliche Assistent Mugabes.

Als Chef des Geheimdienstes soll Mnangagwa einer der Verantwortlichen der Massaker in der Region Matabeleland sein, werfen ihm Menschenrechtler vor. Dort kamen zwischen 1982 und 1987 Tausende Menschen der Ndebele-Volksgruppe ums Leben. Mnangagwa hat stets bestritten, mitverantwortlich zu sein. 

"Machtkampf der alten Eliten"

Mnangagwas fragwürdige Menschenrechtsbilanz bedeute, "dass Simbabwes Zukunft in einer gefährlichen Lage ist", sagte unlängst ein Analyst von der Risikoberatung Verisk Maplecroft, Charles Laurie. Auch der Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), ist skeptisch, dass mit Mnangagwa ein Neuanfang gelingt. Er halte es für unwahrscheinlich, dass ein Geheimdienstchef, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben soll, in demokratischen Wahlen verliere. Das bedeute einen Übergang von einem Tyrannen zum Nächsten. Das Ende der jahrzehntelangen Herrschaft Mugabes ist laut Nooke lediglich ein Machtkampf der "alten Eliten".   

Er ist sich sicher, dass der Machtwechsel im Verbund mit China durchgeführt worden sei. Kurz vor dem Putsch hatte der simbabwische Militärchef Constantine Chiwenga den chinesischen Verteidigungsminister besucht. Danach gab es Gerüchte, Chiwenga hätte den Putsch von der chinesischen Regierung absegnen lassen. Ob das stimmt, ist nicht klar. Die chinesische Regierung dementierte.

China könnte nun von dem Machtwechsel profitieren. Das Land hat sich in den vergangenen Jahren bereits zu einem der größten Investoren entwickelt und unterhält starke wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zu Simbabwe. "Wir haben uns nach Osten gewendet, wo die Sonne aufgeht, und unsere Rücken dem Westen zugewandt, wo die Sonne untergeht", sagte Mugabe, nachdem westliche Länder 2001 Sanktionen gegen Simbabwe verhängten. Sie warfen der simbabwischen Regierung vor, Menschenrechte verletzt und Land unrechtmäßig beschlagnahmt zu haben.

Simbabwe geht es allerdings derzeit wirtschaftlich nicht gut. Laut Analysten wird Mnangagwa in China wohlwollender betrachtet. Im Gegensatz zu Mugabe wird der designierte Übergangspräsident Mnangagwa als "wirtschaftlicher Pragmatiker" gesehen, sagt Derek Matyszak, der in der Hauptstadt Harare als Wissenschaftler für das Institute for Security Studies tätig ist. Er gilt außerdem als investorenfreundlicher. "Mnangagwa ist ein nötiges Übel", sagt Politikwissenschaftler Alexander Rusero vom der polytechnischen Universität in Harare. "Eine schlechte Veränderung ist besser als keine Veränderung."