Die Regierungspartei in Simbabwe hat erste Schritte für die Absetzung von Präsident Robert Mugabe eingeleitet und zu Protesten gegen ihn aufgerufen. Alle zehn Landesverbände der Zanu-PF hätten dem unter Hausarrest stehenden Staatschef das Misstrauen ausgesprochen und seinen Rücktritt gefordert, teilte ein Parteivertreter mit. Anderenfalls solle er abgesetzt werden.

Die Zeitung The Herald berichtete darüber hinaus von einem "Solidaritätsmarsch" gegen den 93-Jährigen, den die Armee genehmigt habe. Das Zentralkomitee sei einberufen worden, um einen neuen Parteichef und Spitzenkandidaten für die Wahl im kommenden Jahr zu bestimmen. 

Auch die Tageszeitung Newsday bestätigte, dass die zehn Landesverbände von Mugabe abgerückt seien. Es war eines von mehreren deutlichen Signalen, dass die Unterstützung für den seit 1980 regierenden Präsidenten schwindet. Das Militär meldete außerdem die Festnahme "Krimineller" aus seinem Umfeld. Augenzeugen zufolge hatten Soldaten unter anderem Finanzminister Ignatious Chombo festgesetzt.

Die Kriegsveteranen, eine einflussreiche simbabwische Vereinigung, riefen zu einem Massenprotest am Samstag auf, um Mugabes umgehenden Rücktritt zu fordern. "Ich hoffe, dass er bis dahin seine Entscheidung getroffen haben wird", sagte der Vorsitzende der Vereinigung, Chris Mutsvangwa. "Wenn er nicht geht, werden wir die Rechnung morgen begleichen." Er bezeichnete Mugabe und dessen Ehefrau Grace wiederholt als "eine verrückte Frau und einen senilen alten Mann". Ihm zufolge hat Mugabe in den Gesprächen über seinen Abgang in seiner Residenz darum gebeten, noch "ein paar Tage, noch ein paar Monate" im Amt bleiben zu dürfen. Die Kriegsveteranen waren lange treue Unterstützer Mugabes.

Mutsvangwa ist ein Verbündeter des entlassenen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa. Auch Mnangagwa ist ein Veteran des Unabhängigkeitskrieges. Nach seiner Entlassung ging der 75-Jährige ins Ausland. Mittlerweile gibt es auch Zweifel an der Nachricht, er sei nach Simbabwe zurückgekehrt. Das sagten enge Vertraute von ihm der Nachrichtenagentur AP.

Auftritt an Universität

Staatschef Mugabe hatte sich am Freitag bei einer Abschlussfeier der Offenen Universität in der Hauptstadt Harare erstmals wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Er hielt keine Ansprache, mehrere Tausend Absolventen und ihre Gäste erhoben sich aber, als er und weitere Würdenträger eintrafen. Auf dem Podium stimmte Mugabe mit der Menge in die Nationalhymne ein. Er ist Kanzler der Universität, sie hat ihm einen Ehrendoktortitel verliehen. Auf Bildern der Veranstaltung war Mugabe in einem königsblauen akademischen Talar und mit Doktorhut zu sehen.

Das Militär des Landes im südlichen Afrika hatte in der Nacht zum Mittwoch geputscht und Mugabe unter Hausarrest gestellt, nachdem dieser den von den Generälen respektierten Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa entlassen hatte. Der 93-jährige Mugabe hatte offenbar darauf hingearbeitet, seine im Land unbeliebte 52 Jahre alte Frau Grace Mugabe als Nachfolgerin aufzubauen.

US-Außenminister Rex Tillerson sprach sich für eine Rückkehr zu einer Zivilregierung in Simbabwe aus. "Wir alle sollten zusammenarbeiten für eine rasche Rückkehr zu ziviler Herrschaft in diesem Land im Einklang mit ihrer Verfassung", sagte er bei einem Treffen mit afrikanischen Außenministern und Diplomaten in Washington. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, die Pekinger Regierung hoffe, der Konflikt in Simbabwe könne im Rahmen des Gesetzes gelöst werden.

Korrektur: Das Alter von Grace Mugabe wurde versehentlich mit dem Alter des Vorsitzenden der Veteranenvereinigung durcheinandergebracht – sie ist natürlich erst 52 Jahre alt. Wir haben das geändert.