"Er weigert sich zurückzutreten", teilte ein Armeeangehöriger mit, nachdem sich Mugabe mit Generälen in der Hauptstadt Harare getroffen hatte. Offenbar wolle Mugabe "Zeit gewinnen". Der 93-Jährige war am Mittwoch unter Hausarrest gestellt worden, aber nicht formell für abgesetzt erklärt. Am Mittwoch hatte das Militär nach eigenen Angaben die Macht übernommen; es blockierte strategische Orte in der Hauptstadt und brachte das Staatsfernsehen unter seine Kontrolle.

Der ehemalige Ministerpräsident Morgan Tsvangirai, ein langjähriger Gegner Mugabes, forderte den Staatschef zum Rücktritt auf. Mugabe müsse "im Interesse des Volkes" zurücktreten, sagte er in Harare. Um Stabilität zu gewährleisten, sei ein "Übergangsmechanismus" notwendig.

Simbabwe - Machthaber Mugabe unter Arrest Das Militär soll Simbabwes langjährigen Machthaber unter Hausarrest gestellt haben. Dies habe Robert Mugabe dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma am Telefon mitgeteilt. © Foto: Philimon Bulawayo/Reuters

Auch das US-Außenministerium sprach sich für einen Umbruch in dem afrikanischen Land aus. "Worauf wir wirklich hoffen, ist, dass dies für Simbabwe ein Übergang in eine neue Ära ist", sagte der für Afrika zuständige Unterstaatssekretär Donald Yamamoto der Nachrichtenagentur Reuters. US-Außenminister Rex Tillerson soll sich am Freitag mit Kollegen aus 37 afrikanischen Staaten treffen.

Afrikanische Union fordert Rückkehr zur "alten Ordnung"

Der Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), Guineas Präsident Alpha Condé, warnte hingegen, Afrika werde "den Militärputsch" in Simbabwe "niemals" akzeptieren. Er forderte eine Rückkehr zur "verfassungsmäßigen Ordnung".

Die Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (Sadc) forderte bei einem Treffen in Botswana am Donnerstag ein regionales Gipfeltreffen, um die Krise in Simbabwe beizulegen. Das Land müsse den "politischen Herausforderungen mit friedlichen Mitteln begegnen". Sadc-Gesandte nahmen auch an dem Treffen der Generäle mit Mugabe in Harare teil. Experten sehen in dem Treffen eine Möglichkeit für Mugabe, dort seine Macht mit Würde abzugeben.

Der regierungskritische Pastor Evan Mawarire, der für seinen Internetprotest gegen Mugabe bekannt ist, bot an, mit der Armee zu verhandeln. "Als Bürger können wir nicht tatenlos zuschauen", schrieb er auf Facebook. "Wir müssen teilhaben." Beobachter gehen davon aus, dass die Generäle ein schnelles Ende der politischen Krise anstreben.

Großbritannien als ehemalige Kolonialmacht Simbabwes forderte, dass die für 2018 geplanten Wahlen wie geplant stattfinden. Mugabe hatte trotz seines hohen Alters und seines sich verschlechternden Gesundheitszustands erklärt, er strebe eine weitere Amtszeit an.

Das Staatsfernsehen in Simbabwe berichtete derweil, dass eine für Freitag geplante Graduiertenfeier einer Universität wie geplant stattfinden werde. Mugabe hatte die Übergabe der Abschlusszeugnisse in der Vergangenheit persönlich übernommen. Sollte er an der Zeremonie teilnehmen, wäre dies ein Zeichen dafür, dass der Hausarrest gelockert wurde.

Mugabe hatte potenziellen Nachfolger entlassen

Die Staatszeitung Herald schrieb: "Das Militär mischt sich nicht ohne Weiteres in zivile politische Angelegenheiten ein. Aber diese Woche mussten sie mit dieser langen Tradition brechen", hieß es dort. Die regierende ZANU-PF-Partei sei "von denen, die den Präsidenten unterstützen sollten, beschmutzt worden".

Der Machtkampf um die Nachfolge von Mugabe hatte sich zuletzt zugespitzt, nachdem der Präsident seinen Stellvertreter Emmerson Mnangagwa entlassen hatte. Mnangagwa unterhält enge Verbindungen zum Militär und war als Nachfolger im Präsidentenamt gehandelt worden. Verschärft wurde die Lage durch die Präsidentschaftsambitionen von Mugabes Ehefrau Grace. Die Armee lehnt sie als Nachfolgerin im Präsidentenamt strikt ab, bei weiten Teilen der Bevölkerung ist sie unbeliebt.

Mnangagwas angebliches Twitter-Konto @presmnangagwa, das ihn als "kommissarischen Präsidenten" bezeichnete, wurde gesperrt. Auf dem erst kürzlich eröffneten Konto waren angebliche Nachrichten über die Lage im Land veröffentlicht worden. Nutzer aus Simbabwe bezweifelten die Echtheit des Accounts schnell. Twitter gab für den Schritt keine spezielle Begründung bekannt, Spam oder missbräuchliches Verhalten seien aber übliche Gründe für eine Sperre. 

Das Auswärtige Amt in Berlin mahnte bei Reisen nach Simbabwe zu "besonderer Vorsicht". Die Lage in der Hauptstadt Harare sei ruhig, dennoch sollten Reisen dort "auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden".