Simbabwe - Militär übernimmt Kontrolle in Harare In Simbabwe hat das Militär die Kontrolle über die Hauptstadt Harare übernommen. Ziel sei es, Kriminelle zu verhaften, teilte ein Sprecher mit. Es handle sich jedoch nicht um einen Putsch. © Foto: Philimon Bulawayo/Reuters

Das Militär hat nach eigenen Angaben zeitweise die Kontrolle über den Staat übernommen. Es gehe darum, eine "sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche" Krise zu überwinden, sagte Generalmajor Sibusiso Moyo in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen. Es handle sich jedoch nicht um einen Militärputsch. Es gehe darum, Verbrecher in Mugabes Umfeld zur Strecke zu bringen.

Präsident Robert Mugabe und seine Familie seien in Sicherheit. Der Amtssitz des Präsidenten in Harare und das Parlament waren am Morgen von Soldaten abgeriegelt. Generalmajor Moyo sagte, man nehme "Kriminelle in seiner Umgebung" ins Visier, "die Verbrechen begehen und dem Land sozialen und wirtschaftlichen Schaden zufügen". Er forderte alle Sicherheitskräfte auf, mit dem Militär zu kooperieren. "Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität." 

Die Lage war am Mittwochmorgen noch unübersichtlich. Insbesondere war zunächst unklar, ob Mugabe oder einzelne Minister vom Militär in Gewahrsam genommen wurden. Mugabe selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Einer seiner Mitarbeiter hatte am Dienstag noch erklärt, der Staatschef gehe wie gewohnt seinen Amtsgeschäften nach.

Rundfunk von Soldaten besetzt

Bereits am Mittwochmorgen hatte es Medienberichten zufolge drei laute Explosionen gegeben. In der Nähe des Wohnsitzes Mugabes im Stadtteil Borrowdale fielen nach Angaben eines Augenzeugen mehrere Schüsse. Eine Augenzeugin in Harare sagte, im Zentrum hätten am Dienstag an fast jeder Kreuzung Soldaten gestanden, was sehr ungewöhnlich sei. Bewohner der Vororte berichteten, sie hätten gepanzerte Fahrzeuge in Richtung Harare fahren sehen.

Die US-Botschaft forderte ihre Bürger in Simbabwe daraufhin auf, vorsichtig zu sein und am besten zu Hause zu bleiben. Die US-Botschaft bleibe am Mittwoch geschlossen, teilte die diplomatische Vertretung mit. Auch die britische Botschaft rief ihre Bürger auf, bis zu einer Klärung der Lage zu Hause zu bleiben. Die Deutsche Welle berichtete, der staatliche Rundfunk in Harare sei von Soldaten besetzt worden. 

Regierungschef contra Armee

Der 93-jährige Mugabe liefert sich derzeit einen Machtkampf mit dem Armeechef, der nach der Entlassung von Vizepräsident Emmerson Mnangagwa mit einer Intervention gedroht hatte. Die Lage hat sich zugespitzt, nachdem Militärchef General Constantino Chiwenga der Regierung von Präsident Mugabe am Montag öffentlich gedroht hatte, die Armee sei angesichts der Krise im Land bereit einzuschreiten.

Die Regierungspartei Zanu-PF erklärte daraufhin, die Äußerungen Chiwengas "legen verräterisches Verhalten nahe, da sie zur Anstachelung des Widerstandes und einer gewaltsamen Auflehnung gegen die verfassungsrechtliche Ordnung" aufriefen. Mnangagwa und Chiwenga gelten als Kritiker von First Lady Grace Mugabe, die hofft, ihrem Mann ins höchste Staatsamt nachzufolgen.

Simbabwe hat 15 Millionen Einwohner und gehört einem UN-Index zufolge zu den ärmsten Staaten der Welt. Mugabe hat die frühere Kornkammer des südlichen Afrikas heruntergewirtschaftet. Das Land hat sich bislang noch nicht von einer schweren Wirtschaftskrise erholt, in Folge derer es 2008 zu einer Hyperinflation und dem Zerfall der Landeswährung kam.