"Im Namen des gesamten syrischen Volkes" dankte der syrische Diktator Baschar al-Assad den versammelten russischen Militärs "für das, was Sie getan haben. Wir werden es nicht vergessen". Zum "Arbeitsbesuch" hatte er Wladimir Putin Anfang der Woche in Sotschi getroffen, der ihn zur Begrüßung innig umarmte: menschliche Wärme zwischen Kriegsherren.

Es sei noch ein langer Weg, bis der "vollständige Sieg über die Terroristen" erreicht sei, hatte der russische Präsident ihm gesagt – gemeint sind wieder einmal ausnahmslos alle Gegner des Regimes. Mit gängigen Vorstellungen von Terrorismus und seiner Bekämpfung ist der Vernichtungskrieg, den Assad und seine Verbündeten in Syrien auch gegen die Zivilbevölkerung führen, nicht zu verwechseln. Was also ist von der Ankündigung zu halten, der gemeinsame militärische Einsatz nähere sich in der Tat seinem Ende? Womöglich heißt das lediglich, Moskau ist zufrieden mit dem Status quo und überlässt die restlichen Massaker anderen.

Es gibt längst eine militärische Lösung

Mehr als zwei Jahre lang hat Russland für Assad unter dem Vorwand des Antiterrorkampfs gebombt, daneben die Illusion eines Friedensprozesses immer gerade so weit am Leben erhalten, dass sich alle, die nicht wirklich handeln konnten oder wollten, an die Formel der Diplomatie klammern durften: "Es gibt keine militärische Lösung in Syrien" – während andere ebendiese gnadenlos vorantrieben, an der Seite des Regimes neben Russland in erster Linie der Iran.

Wenn Russland wieder und wieder den UN-Sicherheitsrat zugunsten seines Schützlings blockiert – zuletzt mit dem Veto gegen eine Verlängerung der Untersuchungen zum Giftgasangriff von Chan Scheichun –, hat das schon fast keinen Nachrichtenwert mehr. Wenn bei den Genfer Friedensgesprächen unter UN-Vermittlung, die in der kommenden Woche wieder aufgenommen werden sollen, fern der Realität über eine neue Verfassung und Neuwahlen nachgedacht wird, ist das eigentlich nur eine traurige Veranstaltung ohne Auswirkungen.

Unfreiwilliger Zynismus

Was in Syrien passiert, haben andere entschieden, und sie werden auch bestimmen, wie es weitergeht. In der professionellen Naivität der Nachrichtenagenturen heißt das dieser Tage so: "Russland, die Türkei und der Iran bemühen sich seit Jahresbeginn um eine Deeskalation des Konflikts." Und nun würden Putin, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der iranische Präsident Hassan Ruhani über eine "politische Lösung des Bürgerkriegs" beraten.

Angesichts Hunderttausender Toter, Millionen von Flüchtlingen und unzähligen Menschen, die noch immer belagert, ausgehungert, ausgelöscht werden, ist schon das nur schwer erträglich. Doch zum Auftakt des gemeinsamen Gipfels am Mittwoch übertraf Putin jeden unfreiwilligen Zynismus: Alle drei Staaten hätten eine humanitäre Katastrophe abgewendet und verhindert, dass Syrien zerfallen und von internationalen Terroristen überrannt worden sei, sagte er.