Für einen Klimagipfel war es eine Provokation: Auf einer Podiumsdiskussion hat die US-Delegation offen für Kohle, Erdgas und Atomkraft als Energieträger geworben. Am Montagabend sagten Vertreter des Weißen Hauses und von Fossil- sowie Nuklearunternehmen auf der internationalen Klimakonferenz in Bonn, Klimaschutz funktioniere nicht ohne die althergebrachten Energieträger. Sie müssten nur sauberer und effizienter genutzt werden. Daraufhin kam es zu einem Eklat mit anderen Delegierten, auch aus den USA.  

Den ganzen Nachmittag über hatten hochrangige US-Politiker für eine klimafreundliche Energiepolitik geworben, darunter Jerry Brown, der Gouverneur von Kalifornien, Kate Brown, die Gouverneurin von Oregon, und Jay Inslee, Gouverneur des Staats Washington. We Are Still In, wir sind noch dabei, nennt sich ihr Bündnis, das sich gegen die Entscheidung der US-Regierung ausspricht, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. "Donald Trump kann twittern, bis ihm die Finger abfallen", sagte Inslee. "Wir werden gewinnen. Wir werden das Pariser Klimaabkommen erfüllen. Ich sehe Euch auf der Siegesparty." 

Die USA sind in der Energiepolitik tief gespalten. Der Streit wurde in Bonn offen ausgetragen. Nur Minuten, bevor die sechs Regierungs- und Konzernvertreter am Montagabend den Raum betraten, stürmten Inslee und Kate Brown den Saal, gefolgt von ihren Sicherheitsleuten. "Wir haben einen Kommentar abzugeben", sagte Inslee laut. "Wir sprechen für ein Bündnis, das sich für eine sauberere Zukunft einsetzt. Der Staat Washington wird nicht akzeptieren, was hier geschieht." Der Rest der Welt werde das auch nicht tun. "Feuerwehrleute hören auch nicht auf die Brandstifter", sagte Inslee. "Wer versucht, die Uhr zurückzudrehen, löst keine Probleme."

Klimapolitik ist Wirtschaftspolitik

Zu den Verbündeten der Klimaschützer gehören nach eigenen Angaben 20 US-Staaten, 110 Städte und 1.400 Unternehmen. Das Bündnis arbeitet mit regionalen Regierungen im Ausland zusammen, zum Beispiel in Kanada und Mexiko. Auch die Umweltminister der kanadischen Bundesstaaten British Columbia und Ontario warben auf dem Klimagipfel zusammen mit Brown für eine grenzüberschreitende Klimapolitik.

Die Mitglieder der Allianz schalten Kohlekraftwerke ab, beginnen einen regionalen Emissionshandel, verschärfen die Vorschriften für Gebäudedämmung oder erlassen Gesetze, um Elektroautos zu fördern. Brown sagte, in Kalifornien hätten sogar Republikaner für seine Klimagesetze gestimmt. "Ich werde Ihnen aber nicht verraten, wie ich sie dazu gebracht habe." Für Gouverneur Inslee ist Klimaschutz auch Wirtschaftspolitik: Die Zahl der Arbeitsplätze in der Solarindustrie steige um ein Vielfaches schneller als die in den fossilen Branchen, sagte er. "Wenn Du Wirtschaftswachstum willst, dann konzentrier Dich auf die Zukunftjobs!" In Oregon, das ebenfalls eine klimafreundliche Politik verfolge, wachse der Arbeitsmarkt schneller als irgendwo sonst in den USA, sagte Brown. Das Wirtschaftswachstum liege ebenfalls an der Spitze.

"Und wir haben gute Nachrichten", sagte Inslee. "Keine einzige Nation hier in Bonn hat entschieden, ihre Klimapolitik zu bremsen, nur weil Trump aufgegeben hat."

Nach dem Auftritt der beiden Gouverneure betraten die Panelisten das Podium, darunter George David Banks, Umwelt- und Energieberater von US-Präsident Trump und Frances Brooke, Assistent von Vizepräsident Mike Pence. Außerdem traten Vertreter der Konzerne Tellurion (Erdgas), Peabody Energy (Kohle), NuScale Power (Atom) sowie des Unternehmensverbands US Energy Agency auf.

Weltklimagipfel - Protest gegen US-Klimapolitik Beim Diskussionsforum der USA auf dem Weltklimakongress in Bonn erhoben Besucher ihre Stimme für erneuerbare Energien: Zur Melodie von »God Bless The USA« sangen sie ihren Protest gegen Kohle- und Atomstrom. © Foto: REUTERS/Alister Doyle