US-Präsident Donald Trump hat den wegen sexueller Belästigung beschuldigten Senatskandidaten Roy Moore verteidigt. "Roy Moore streitet es ab, das ist alles, was ich sagen kann", sagte Trump. "Er streitet es ganz und gar ab", so der US-Präsident. Außerdem würden die Moore vorgeworfenen Taten lange zurückliegen: "40 Jahre sind eine lange Zeit." Mehrere Frauen werfen dem heute 70-jährigen Moore vor, sie Ende der Siebzigerjahre als Minderjährige sexuell belästigt zu haben. Eine der Frauen war damals 14, die andere 16 Jahre alt gewesen, Moore hingegen 32.

Der Republikaner kandidiert in Alabama um den Senatssitz, der durch den Wechsel von Jeff Sessions an die Spitze des Justizministeriums frei geworden ist. Mehrere ranghohe Republikaner, wie der Mehrheitsführer des Senats, Mitch McConnell, und der Sprecher des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, hatten sich in den vergangenen Wochen von Moore distanziert und ihn aufgefordert, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Moore bezeichnet diese Republikaner als Teil des Establishments. Sein Lager sieht den Kandidaten in einem "Drei-Fronten-Krieg" gegen Demokraten, Republikaner und Medien. Die Wahl ist am 12. Dezember. Trump hatte zum ersten Mal zu dem Fall Stellung bezogen. Zuvor hatte das Weiße Haus lediglich mitteilen lassen, die Bevölkerung von Alabama solle die Entscheidung fällen, wer der nächste Senator wird.

Trump will in der kommenden Woche bekannt geben, ob er Moore weiter unterstützt. Moores Gegenkandidaten, den demokratischen Doug Jones, kritisierte der US-Präsident für seinen Umgang mit Kriminellen: "Wir brauchen nicht jemanden, der mit Kriminalität so sanft umgeht wie Jones." In Alabama brauche es "keinen liberalen Demokraten", sagte Trump.

Von Stephen Bannon aufgebaut

Moore wurde von Trumps ehemaligem Berater, Stephen Bannon, als Kandidat aufgebaut. Er war früher Richter, verlor jedoch sein Amt, weil er geltende Urteile des Supreme Court ignorierte. Er war unter anderem dadurch aufgefallen, dass er Homosexualität per Gesetz verbieten und Muslimen den Weg in den Kongress versperren wollte.

Anhänger des Politikers behaupteten, Reporter hätten Frauen Tausende Dollar für Anschuldigungen gegen ihn angeboten. Beweise dafür legten sie nicht vor. Eine der Frauen, Leigh Corfman, sagte dem Sender NBC: "Wenn überhaupt, dann ist es jetzt weniger, weil ich nicht arbeite." Wegen Moores gehobener Stellung als Staatsanwalt habe sie damals als 14-Jährige nicht öffentlich über die Tat gesprochen. Sie habe sich erst geäußert, als die Washington Post ihr versichert habe, sie sei nicht die Einzige, die Anschuldigungen gegen Moore erheben würde. 

Auch gegen einen demokratischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses gibt es Vorwürfe der sexuellen Belästigung. Die Vorsitzenden des Ethik-Ausschusses kündigten an, eine Untersuchung gegen den demokratischen Abgeordneten John Conyers einzuleiten.

Dieser habe einer Frau rund 27.000 Dollar gezahlt, um eine Beschwerde gegen ihn einzustellen. Er soll sie aus seinem Team geworfen haben, nachdem sie seine Annäherungsversuche ablehnte, berichtete die Website Buzzfeed. Conyers sagte, er werde bei den Untersuchungen kooperieren.