Der demokratische US-Senator Al Franken tritt nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurück. Den Schritt werde er in den kommenden Wochen vollziehen, sagte Franken. Zuvor hatte er sich wiederholt bei mehreren Frauen entschuldigt, die ihm ein unangemessenes Verhalten vorwarfen. So habe er sie ohne ihre Zustimmung angefasst und versucht, sie zu küssen.

Dies sei der schlimmste Tag seines politischen Lebens, sagte der Senator aus dem Bundesstaat Minnesota. Einige der Anschuldigungen gegen ihn seien nicht wahr, andere habe er anders in Erinnerung als die Frauen. Aber "Frauen verdienen es, gehört und in ihren Erfahrungen ernst genommen zu werden", sagte Franken. Er kündigte an, sich als Aktivist weiter politisch äußern zu wollen.

Am Mittwoch waren neue Vorwürfe gegen Franken laut geworden. Damit stieg der Druck auf ihn auch in der eigenen Partei. Mehr als 30 der 48 demokratischen und unabhängigen Senatorinnen und Senatoren riefen ihn dazu auf, zurückzutreten. Die Schauspielerin und Musikerin Leeann Tweeden hatte Franken im November beschuldigt, ihr vor einem gemeinsamen Auftritt vor Soldaten in Afghanistan zu nahe gekommen zu sein. Zudem gibt es ein Foto, das zeigt, wie er die Hände an ihre Brüste hält, während sie schläft.

Franken sagte, sein Rücktritt entbehre nicht einer gewissen Ironie, sitze doch im Weißen Haus jemand, der auf Tonband mit sexuellen Übergriffen geprahlt habe. Er spielte damit auf frühere Äußerungen Donald Trumps an. Dieser hatte gesagt, als Berühmtheit könne man sich Frauen gegenüber alles erlauben und ihnen auch in den Schritt fassen. Die Aussage ist durch ein Video aus dem Jahr 2005 belegt, das die Washington Post am Ende des Präsidentschaftswahlkampfs veröffentlicht hatte. 

Vor zwei Tagen war der dienstälteste Abgeordnete im US-Kongress, der Demokrat John Conyers, ebenfalls nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Auch der republikanische Senatsbewerber Roy Moore wird  beschuldigt, mehrere Frauen in den siebziger Jahren als Minderjährige missbraucht zu haben.

Nach den Enthüllungen über den Hollywood-Manager Harvey Weinstein sind in den USA zahlreiche Anschuldigungen gegen mächtige Männer aus der Medien- und der Unterhaltungsbranche sowie aus der Politik bekannt geworden.

Franken war vor seinem Einzug in den Senat 2008 Schauspieler und Schriftsteller. Er ist ein scharfer Kritiker der Regierung Trump.