In einem beispiellosen Schritt wischt US-Präsident Donald Trump ein diplomatisches Tabu vom Tisch: Jerusalem sei die Hauptstadt Israels, sagte er und kündigte an, die Botschaft seines Landes von Tel Aviv dorthin zu verlegen. Aus Israel gab es dafür lobende Worte – aus dem Rest der Welt hörte er von Entsetzen und Empörung, von Verärgerung und Befürchtungen. Diesem Chor der besorgten Stimmen schloss sich auch die internationale Presse an.

Die Presse aus Österreich:

"Trump spielt all jenen Kräften in die Hände, die von dem Konflikt profitieren, allen voran den Islamisten. Die radikalislamische Hamas, die sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben hat und nun im Zuge eines schwierigen Versöhnungsprozesses ihre Macht im Gazastreifen an die Fatah übergeben soll, ruft bereits zu einem neuen Palästinenseraufstand auf. Die Trump-Entscheidung wird für die Hamas damit zu einer Ausrede für eine neue Runde der Gewalt."

Corriere della Sera aus Italien:

"Der Würfel ist gefallen: das Nachspiel möglicherweise explosiv."

Guardian aus Großbritannien:

"Jedes Mal, wenn es so aussieht, als sei Donald Trump nicht mehr zu übertreffen, setzt er noch eins drauf. (…) Jetzt durchpflügt er die feinen Verästelungen in Nahost wie ein Elefant im Porzellanladen. (…) Trumps Maßnahme signalisiert Verachtung für die Meinung der gesamten arabischen Welt. (…) Jetzt ist es schwer zu erkennen, wie eine tragfähige Lösung zwischen Israel und den Palästinensern möglich sein soll.

De Tijd aus Belgien:

"Mit der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel bricht US-Präsident Donald Trump auf brutale Weise mit einem internationalen Konsens. Was er damit erreichen will, bleibt völlig im Dunkeln.(...) Auf internationalem Parkett bleibt Trump impulsiv und völlig unzuverlässig. (...) Wegen der Sensibilität dieses Themas öffnete Trump die Tür für noch mehr Terror. So gibt er dem Dschihad Nahrung und legt ein Streichholz an die Lunte des Pulverfasses. Nun darf Washington nicht erschrecken, wenn es auch explodiert."

El Mundo aus Spanien:

"Trump hatte in seiner Wahlkampagne geprahlt, er sei kein Politiker. Damit hatte er recht. Dramatisch ist, dass er jetzt, wo er nach einem Jahr weiter an der Spitze der führenden Macht der Welt steht, immer noch nicht erkennt, dass seine größte Verantwortung darin besteht, Probleme zu lösen und sie – wenn möglich – nicht zu schaffen."

Times aus Großbritannien:

"Trumps Ankündigung (...) zerreißen ein zerlesenes Kapitel im Handbuch der amerikanischen Außenpolitik. (…) Ganz sicher wird diese Entscheidung die Spielregeln in einem erstarrten Prozess verändern, aber zwei weitere Gründe sind noch wichtiger: Mit diesem riskanten Schritt löst er ein Wahlkampfversprechen ein und er signalisiert zugleich, dass ihm die Beziehung zu Israel wichtiger ist, als ein Friedensabkommen im Nahen Osten. Trump hält gern seine Versprechen. Nicht zum ersten Mal stellt er inländische Unterstützung über die Außenpolitik."

La Repubblica aus Italien:

"Zwischen Netanjahu und Trump ist eine Idylle erwachsen, die beim Besuch im Mai bestätigt wurde. Jetzt begleicht Trump seine Schulden, die er beim Überbringer ausländischer Wählerstimmen und bei der radikalsten und treuesten amerikanischen Wählerschaft hatte."

Magyar Idök aus Ungarn:

"Oft ist es schwierig, hinter den Entscheidungen Trumps Rationalität ausfindig zu machen. Doch lassen wir es auf einen Versuch ankommen: Der US-Präsident steht bedingungslos an der Seite Israels, ist zumindest kein Heuchler, behauptet nicht, wie sehr er mit den Palästinensern mitempfindet – er empfindet für sie gar nichts –, spielt nicht den Unparteiischen – er ist keiner – und er tut auch nicht so, als wäre er der Weihnachtsmann, der in seinem adrett zugebundenen Sack ein Friedensabkommen hat – sorry, Kinder, hat er nicht. Friede ist nicht möglich – folgen wir weiter der selben Logik –, denn selbst in den Grundfragen gibt es keine Lösung. Die Lösung ist, dass es keine Lösung geben wird."

Politiken aus Dänemark:

"Trumps Entscheidung, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, fehlt der Verstand und die Logik. Trump trägt wieder zu einer instabileren Welt bei."

La Croix aus Frankreich:

"Jerusalem ist eine einzigartige Stadt, das kann jeder bezeugen, der einmal ihre Pforten durchschritten hat. Nirgends sonst auf der Erde sind Völker und Spiritualitäten so eng verflochten. Die heiligen Stätten der drei monotheistischen Religionen – die Klagemauer, die Grabeskirche und der Felsendom – liegen nur wenige hundert Meter auseinander. Deshalb hat diese Stadt eine 'besondere Berufung zum Frieden', wie Papst Franziskus betonte (...). Aus all den Verhandlungen der vergangenen 70 Jahre erwächst eine Gewissheit: Nichts ist möglich, wenn diese Stadt für eine Sache vereinnahmt wird."

Neue Zürche Zeitung aus der Schweiz

"In den Ohren der Palästinenser muss es wie Hohn klingen: Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels sei ein Beitrag zum Friedensprozess, erklärte der amerikanische Präsident (…). Jeder Staat habe das Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen. Warum indes gilt das nicht für die Palästinenser? Trump hätte Jerusalem ebenso gut als geteilte Hauptstadt Israels und eines künftigen palästinensischen Staates anerkennen können."

Nahostkonflikt - Internationale Kritik an Trumps Jerusalem-Entscheidung Bis auf Israel haben sich Regierungen überall auf der Welt von US-Präsident Trumps Schritt distanziert, Jerusalem als Hauptstadt anzuerkennen. Auch Deutschland lehnt die Entscheidung ab. © Foto: Lior Mizrahi/Getty Images