Bei der Regionalwahl auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika liegen die korsischen Nationalisten in der ersten Runde vorn. Die Liste des nationalistischen Spitzenkandidaten Gilles Simeoni, Pè a Corsica, kam auf 45,4 Prozent. Die endgültige Entscheidung über die Mehrheitsverhältnisse im Inselparlament fällt allerdings erst in der zweiten Runde in einer Woche.

Nationalisten fordern mehr Autonomie

Die Wahl gilt als mögliche Richtungsentscheidung für das schwierige Verhältnis der Insel zum französischen Zentralstaat. Sollten sich die korsischen Nationalisten als stärkste Kraft behaupten, dürften ihre Forderungen nach mehr Autonomie neues Gewicht bekommen.

Die gemeinsame Liste der wichtigsten nationalistischen Kräfte will eine rechtlich verankerte Autonomie Korsikas. Eine Abspaltung von Frankreich fordert sie aber nicht. Seit Jahrzehnten gibt es Bestrebungen für mehr Eigenständigkeit auf der Insel, die näher an Italien als an Frankreich liegt und eine eigene, dem Italienischen verwandte Sprache hat. Die Auseinandersetzungen waren lange von Gewalt überschattet – bis die Korsische Nationale Befreiungsfront FLNC die Waffen 2014 niederlegte.

Grund für die jetzige Neuwahl ist eine Reform der korsischen Verwaltungsstruktur, durch die das Inselparlament an Bedeutung gewinnt. Korsika ist halb so groß wie Sachsen und hat rund 300.000 Einwohner, etwa ein halbes Prozent der französischen Bevölkerung.