Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hat zu einer neuen Intifada aufgerufen. Das sagte der Anführer Ismail Hanija in einer Rede im Gazastreifen. Der Palästinenseraufstand solle ins Herz des "zionistischen Feindes" getragen werden.

Die Hamas kontrolliert derzeit den Gazastreifen. Als Resultat des Friedensabkommens mit der Fatah ist aber eine baldige Machtübergabe an die gemäßigte Palästinenserorganisation geplant.

Die Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, hatte international Proteste ausgelöst. Im Westjordanland und Ostjerusalem blieben am Morgen öffentliche Einrichtungen, Geschäfte, Schulen und Banken wegen eines Generalstreiks der Palästinenser geschlossen.

Hanija sagte, Trumps Entscheidung komme einer "Kriegserklärung gegen die Palästinenser gleich". Er forderte die palästinensische Autonomiebehörde auf, alle Friedensbemühungen mit Israel einzustellen.

Ähnlich konfrontativ reagierte die Harakat Hisbollah al-Nudschaba, eine prominente proiranische Miliz im Irak. Deren Anführer Akram al-Kaabi sagte, die US-Erklärung sei ein legitimer Grund, US-Truppen im Irak anzugreifen.  

Die Palästinenser hatten in den Jahren 1987 und 2000 jeweils eine Intifada gegen Israel ausgerufen. Zahlreiche Menschen auf beiden Seiten starben. Weil Israel den Gazastreifen blockiert und viele Hamas-Unterstützer im Westjordanland festgenommen hat, sind die militärischen Möglichkeiten der Hamas heute begrenzter als damals. Angreifen könnte die Hamas vor allem mit ihrem großen Raketenarsenal, über das die Organisation im Gazastreifen verfügt.

Das israelische Militär verstärkt nun seine Truppen im Westjordanland. Weitere Soldaten seien als Teil der Vorbereitung auf "mögliche Entwicklungen" in Alarmbereitschaft versetzt worden, teilte das Militär mit.

Der Irak forderte die USA auf, ihre Entscheidung zurückzunehmen, um eine gefährliche Eskalation zu vermeiden. Diese würde Extremismus schüren und Terrorismus begünstigen, teilte die irakische Regierung mit. Auch Indonesien appellierte an Trump, seine Entscheidung zu überdenken. Sie könne die globale Sicherheit und Stabilität erschüttern. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt.

Außer von Netanjahu wird Trump ausnahmslos kritisiert

Kritik am US-Präsidenten kam von Regierungen zahlreicher Länder, darunter sind auch viele US-Verbündete. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Türkei, Frankreich, Deutschland und Großbritannien distanzierten sich von Trump. Am Freitag befasst sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit dem Thema.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu lobte Trumps Entscheidung hingegen als "historische Entscheidung". Der US-Präsident sei nun "für immer mit der Geschichte unserer Hauptstadt verknüpft". Er gehe davon aus, dass viele andere Staaten den USA folgen und ihre Botschaften nach Jerusalem verlegen, sagte Netanjahu. Es gebe bereits entsprechende Kontakte. 

Der US-Präsident selbst hatte seine Entscheidung einen "lange überfälligen" Beschluss genannt. Er sagte, dass er das Engagement seines Landes für einen "dauerhaften Frieden" in Nahost nicht infrage stelle. Trump wies das US-Außenministerium an, sofort mit den Vorbereitungen für den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen.

Der endgültige Status von Jerusalem ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und dann 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt ihres angestrebten eigenen Staates. In der internationalen Gemeinschaft herrschte bislang Konsens darüber, dass der Status der Stadt in Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden muss.

Nahostkonflikt - Generalstreik der Palästinenser Die arabische Welt protestiert gegen US-Präsident Trumps Ankündigung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Die USA hätten sich von ihrer Rolle als Friedensvermittler verabschiedet, urteilte Saudi-Arabien. © Foto: Oded Balilty/AP/dpa