"JOH, du hast dich mit der falschen Generation angelegt." – Die Drohung gilt Juan Orlando Hernández (JOH), dem Präsidenten von Honduras. Seit er die Wahl vor vier Wochen offiziell gewonnen hat, versinkt das Land im Chaos. Die Jugend begehrt gegen die Regierung auf, die Opposition fordert Neuwahlen, Hernández wiederum verhängte zunächst den Ausnahmezustand und setzt seitdem das Militär ein, um das Land unter Kontrolle zu halten. Noch ist unklar, wie Honduras die jüngste Krise überstehen wird. Doch dass es zu einem Bürgerkrieg kommen könnte, ist nicht auszuschließen.

Die Entwicklungen in Honduras haben mehrere Gründe, wurzeln aber in der Wahl vom 26. November. Als damals die ersten Hochrechnungen verkündet wurden, lag die Opposition Allianz gegen die Diktatur mit fünf Prozent vor Hernández' konservativer Nationaler Partei. Noch an diesem Tag wurde die Veröffentlichung weiterer Ergebnisse gestoppt. Zwei Wochen später stand Hernández' Partei als Wahlsieger fest. Experten wie Irfan Nooruddin, Professor für Internationale Politik an der Georgetown Universität, bezweifeln auf Anfrage der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) die Plausibilität der Ergebnisse. Die EU indes gibt an, sie könne die Qualität der Wahlergebnisse nicht beurteilen.

Die acht Millionen Einwohner von Honduras machen sich keine Illusionen: Schon die Kandidatur des Präsidenten war von der Verfassung nicht gedeckt. Heute sitzen am Obersten Gerichtshof Richter, die von ihm ernannt wurden, und die Tochter des Wahlleiters ist Hernández' Vizekanzlerin. Am 20. Dezember stellte Hernández einen Cousin als einen der neuen Armeechefs vor. Wer sollte also eine weitere Amtszeit des Präsidenten verhindern?

"Raus mit JOH"

Der Ruf "Fuera JOH" ("Raus mit JOH") ist derzeit auf den Straßen Honduras' allgegenwärtig. Drei Tage nach der Wahl begannen die ersten Straßenproteste. Vier Wochen später zeigen sich die Auswirkungen: Straßensperren haben teilweise zu Versorgungsengpässen von Supermärkten und Tankstellen geführt und die Militärpolizei, die manche in Honduras auch als Todesschwadron bezeichnen, geht gegen die Bevölkerung vor. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Cofadeh sind in den vergangenen vier Wochen mindestens 22 Menschen erschossen und mehr als 1.600 festgenommen worden.

Äußerte sich die Regierung zu den Vorfällen nur zurückhaltend, so fordern nun die Vereinten Nationen die Untersuchung von mindestens zwölf Todesfällen. Hernández indes versucht, mit einer Mischung aus Einschüchterung und Belohnung die Ruhe in der Bevölkerung wiederherzustellen und, noch viel wichtiger, selbst an der Macht zu bleiben: Der zwischenzeitlich streikenden Polizei versprach er Anfang Dezember Sonderprämien und Gehaltserhöhungen. Mitarbeitern der Justiz – damit sind Militär, Polizei, Feuerwehr, Staatsanwaltschaft und Richter gemeint – stellte er Sonderkredite zur Förderung von Eigenheimen in Aussicht – als Dank für ihren risikoreichen Einsatz zum Schutze des Landes. Jüngst versprach er auch Belohnungen für jene, die randalierende Mitbürger anzeigten.

Armut, Waffen, ein lasches Justizsystem

Tatsächlich sind Geldversprechen für die Menschen in Honduras verlockend: Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind arm, rund 38 Prozent leben sogar in extremer Armut. Weite Teile der Bevölkerung sind bewaffnet, jeder Honduraner darf bis zu fünf Schusswaffen besitzen. Hinzu kommt, dass 41 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre sind. Das lasche Justizsystem tut sein Übriges: Da Verbrechen meist nicht geahndet werden, ist die Hemmschwelle zur Gewalt gering.

Die Jugend hat den Militärputsch von 2009 miterlebt, ebenso die großen Korruptionsskandale um die öffentliche Krankenkasse und den nie vollendeten und milliardenteuren Bau des Metrobusses Trans 450 in der Hauptstadt. Sie will aufbegehren gegen das alte System, das hat die Wahl vom November gezeigt. Das Vertrauen in Hernández und seine Familie, denen Kontakte zum Drogenmilieu vorgeworfen werden, ist nachhaltig erschüttert. Schon wird von einer Narco-Diktatur gesprochen.

Mit der Allianz gegen die Diktatur hat die Opposition eine Stimme gefunden. Präsidentschaftskandidat Salvador Nasralla und der 2009 aus dem Amt geputschte Ex-Präsident Manuel Zelaya kämpfen gemeinsam gegen Hernández. Fortdauernd ruft Zelaya per Twitter zu Massenprotesten auf, Nasralla flog jüngst nach Washington, um der OAS Beweise für Wahlfälschung zu übergeben. Bislang gibt es nur wenige Länder, die Hernández offiziell zu seinem Wahlsieg gratuliert haben. Warum sollten es dann die Bürger Honduras' tun, die die Opposition gewählt haben?