Nach gewaltsamen Protesten gegen das mutmaßliche Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Honduras hat Präsident Juan Orlando Hernández den Ausnahmezustand ausgerufen. Wie ein Regierungssprecher Freitagabend mitteilte, werde mit dem Dekret auch eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Diese gilt demnach für zehn Tage zwischen 18 Uhr und 6 Uhr morgens.

Die internationalen Wahlbeobachter sind von der Ausgangssperre ausgenommen, ebenso das diplomatische Corps sowie Rettungs- und Einsatzkräfte. Streitkräfte und Polizisten sind dem Dekret zufolge ermächtigt, bei Verstößen gegen die Ausgangssperre Festnahmen vorzunehmen.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet Reisenden dringend, die Ausgangssperre einzuhalten, die örtlichen Medien aufmerksam zu verfolgen, Menschenansammlungen zu meiden und den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten.

Brennende Barrikaden, Tränengas und Steine

Bei den Protesten der Opposition kam es zuvor in mehreren Regionen des zentralamerikanischen Landes zu Zusammenstößen zwischen Bereitschaftspolizisten und Demonstranten. Dabei wurden der Polizei zufolge mindestens zwei Polizisten und zwölf Zivilisten verletzt, einige von ihnen durch Schüsse.

Zudem errichteten Tausende Demonstranten brennende Barrikaden, mit denen sie den Verkehr blockierten. Sicherheitskräfte meldeten beschädigte und in Brand gesetzte Autos. Polizisten gingen zudem mit Tränengas gegen Steinewerfer vor. In der Hauptstadt Tegucigalpa wurden Geschäfte geplündert und Flüge gestrichen. Viele Bürger deckten sich wegen der Unruhen vorsichtshalber mit Benzin von Tankstellen und Nahrungsmitteln aus Supermärkten ein.

Honduras - Ausschreitungen nach Präsidentenwahl Auch vier Tage nach der Präsidentenwahl in dem mittelamerikanischen Land steht noch kein Sieger fest. Das Ergebnis dürfte knapp ausfallen – viele Bürger demonstrieren. © Foto: REUTERS/Edgard Garrido

Kommt es zur Neuauszählung der Stimmen?

Hintergrund der Ausnahmesituation in Honduras sind die Präsidentschaftswahlen vom vergangenen Sonntag. Nach Auszählung von fast 95 Prozent der Stimmen hatte Amtsinhaber Hernández von der rechten Nationalen Partei mit 42,9 Prozent einen hauchdünnen Vorsprung vor dem linken Herausforderer, Salvador Nasralla, der 41,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Zu Wochenbeginn hatte Nasralla noch mit knapp fünf Prozentpunkten in Führung gelegen.

Der 64-jährige Nasralla, der ein bekannter Fernsehmoderator ist, warf Hernández Wahlbetrug vor, nachdem dieser ihn im Laufe der Woche bei der Auszählung überholt hatte. Seine Anhänger rief Nasralla zu Protesten auf. Diese gingen bereits am Mittwoch und Donnerstag für den Kandidaten der Allianz der Opposition gegen die Diktatur auf die Straße.

Der drittplatzierte Bewerber, Luis Zelaya von der Liberalen Partei, kam auf 14,7 Prozent der Stimmen. Er erklärte, Nasralla habe gewonnen und gratulierte ihm zum Sieg.

Am Samstag lag zunächst immer noch kein amtliches Endergebnis vor. Die Wahlkommission erklärte am Freitag, sie zähle Wahlzettel mit Unstimmigkeiten unter der Aufsicht von Vertretern beider politischen Lager nochmals aus. Der Vorsitzende der Wahlkommission teilte mit, bis zum Abschluss dieses Verfahrens würden keine Ergebnisse mehr bekannt gegeben. Nasralla forderte eine vollständige Neuauszählung. Bis spätestens einen Monat nach der Wahl vom 26. November muss die Kommission den Sieger bekannt geben.