Bei den regimekritischen Protesten in Teheran sind am Samstag rund 200 Menschen festgenommen worden. Das meldete die Nachrichtenagentur Ilna unter Berufung auf den Vizegouverneur der iranischen Hauptstadt, Ali Asghar Nasserbacht. Zuvor war von Dutzenden Festnahmen die Rede gewesen.

Unter den Festgenommenen seien "40 Anführer illegaler Versammlungen", hieß es. Die Gefassten seien der Justiz übergeben worden. Mehrere festgenommene Studenten seien hingegen wieder freigekommen, wurde der Vizegouverneur weiter zitiert. Zudem wurden bei Demonstrationen in mehreren Städten zwei Menschen getötet.

Irans Präsident Hassan Ruhani gestand den Regierungsgegnern das Recht zu demonstrieren zu, auch dürften sie die Regierung kritisieren. Er warnte aber vor Ausschreitungen, die die Sicherheit des Landes und Volkes gefährden könnten. "Wir sind ein freies Land und daher haben die Menschen auch ein Recht auf Meinungsfreiheit", sagte Ruhani. Er verurteilte die Gewalt, zugleich mahnte er "Raum für Kritik" an: "Kritik ist etwas anderes als Gewalt und die Zerstörung von öffentlichen Gütern."

Bundesregierung mahnt zu Besonnenheit

Es sei auch die Aufgabe der Regierung, den Forderungen der Menschen nachzugehen und sie zu erfüllen, sagte Ruhani. Aber all dies sollte in einem gesetzlichen und friedlichen Rahmen durchgeführt werden. Es war die erste Reaktion des iranischen Präsidenten auf die Proteste der vergangenen vier Tage.

Zugleich wies Ruhani Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zurück, der die iranische Führung zur Respektierung der Rechte von Demonstranten gemahnt hatte. Wer Iraner Terroristen nenne, habe kein Recht, Mitgefühl mit dem Land zu äußern.

Zuvor hatte die Bundesregierung die iranische Regierung zur Achtung der Rechte der Demonstranten aufgerufen. Versammlungsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung seien hohe Güter. Weiterhin appellierte die Bundesregierung an die iranische Regierung, besonnen zu handeln, und an die Beteiligten, "ihre Anliegen friedlich zum Ausdruck zu bringen".