Für Israels Regierung um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und die Nationalreligiösen ist es ein lang ersehnter Etappensieg: Am heutigen Mittwoch, so kündigte das Weiße Haus an, werde US-Präsident Donald Trump in einer Rede Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkennen. Von einem "historischen Tag" sprach Israels Verkehrsminister Israel Katz auf einer Konferenz in Jerusalem. Er begrüßte Trumps Entscheidung und sagte: "Wer Jerusalem nicht als Hauptstadt anerkennt, der erkennt das Recht Israels nicht an, als jüdischer Staat zu existieren."

Vor allem das nationalreligiöse sowie das Mitte-rechts-Lager verweisen immer wieder auf Jerusalem als historische Hauptstadt des jüdischen Volkes und auf die 3.000 Jahre alte Geschichte. Würde man eine Zeitreise in das Jerusalem von vor 3.000 Jahren unternehmen, würde man in dieser Stadt herauskommen, die König David gegründet hatte – ein jüdischer König also. So beschrieb es Bildungsminister Naftali Bennett nach Trumps Ankündigung und viele in Israel begründen damit ihren Anspruch auf die gesamte Stadt Jerusalem.

Sie feierten Trump bereits bei seiner Wahl vor mehr als einem Jahr als eine Art Messias. Sie sehen in ihm eine historische Chance für Israel, vor allem deshalb, weil er schon im Wahlkampf angekündigt hatte, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Es wäre die erste Botschaft überhaupt, kein Land der Welt erkennt Jerusalem als Hauptstadt von Israel an. Trump will nun offenbar Fakten schaffen, auch wenn es aus logistischen Gründen noch einige Jahre dauern könnte, bis der Umzug der Botschaft vollzogen ist. Trump wird also vorerst noch einmal die Verschiebung des Botschaftsumzugs veranlassen.

"Eine rote Linie überschritten"

Die Freude in einigen israelischen Kreisen ist schon jetzt groß. Doch sie hat ihren Preis: Auf palästinensischer Seite wurde bereits zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen. Am Dienstagabend verbrannten Palästinenser aus Protest Bilder von Trump, Protestmärsche im Westjordanland wurden angekündigt und Hamas-Chef Ismail Haniyya hatte bereits klar gemacht, dass mit der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt eine rote Linie überschritten wird. Der Jugendflügel der Fatah verkündete, alle Möglichkeiten stünden offen, um Jerusalem zu verteidigen. Schließlich betrachten die Palästinenser Jerusalem ebenfalls als Hauptstadt ihres zukünftigen Staates. Auch den USA sind die möglicherweise gewaltsamen Auswirkungen der angekündigten Trump-Rede offenbar bewusst: Das U.S. Department of State hat amerikanische Regierungsangestellte dazu aufgerufen, zunächst nicht mehr die Altstadt Jerusalems und das Westjordanland zu besuchen.

Wie brisant ist die Lage also? Könnte es wieder zu Messerattacken kommen? Schließlich gingen ab Ende 2015 immer wieder Palästinenser mit Messern auf Israelis los. Einige der sogenannten Lone-Wolve-Terroristen fuhren mit Fahrzeugen in Bushaltestellen. Vergleichbar mit den Ausmaßen der ersten und zweiten Intifada war diese als "Messerintifada" titulierte Bewegung zwar nicht. Die Bereitschaft zu Gewaltakten hat in den vergangenen Jahren eher nachgelassen, viele Palästinenser haben die Hoffnung auf ein Ende der Besatzung und auf einen Frieden ohnehin fast aufgegeben.

Der Tempelberg in Jerusalem

Doch wie angespannt es zwischen Israelis und Palästinensern ist, gerade in Jerusalem, hat die Tempelbergkrise im Sommer gezeigt. Damals stellte Israel an den Eingängen zum Tempelberg Metalldetektoren auf. Es war die Reaktion auf einen Terroranschlag auf zwei israelische Polizisten, die dabei ums Leben gekommen waren. Mit den Detektoren sollte verhindert werden, dass Bewaffnete in den heiligen Ort gelangen können. Für die Muslime bedeutete das eine Veränderung des ohnehin sensiblen Status Quo: Hunderte Muslime protestierten, andere beteten statt auf dem Tempelberg vor den Eingängen und zogen nach dem Freitagsgebet zu Protesten auf die Straße. Es kam zu blutigen Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften. Am Ende zog Israel die Detektoren wieder ab. Palästinenser sahen darin einen klaren Erfolg der Menschen auf den Straßen.