Die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump hat weltweite Reaktionen ausgelöst. In vielen muslimischen, aber auch europäischen Ländern gab es Proteste. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nannte Israel einen "terroristischen Staat", der "Kinder tötet". Palästina hingegen sei ein unschuldiges Opfer.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Aussage Erdoğans klar zurück. Er sei es nicht gewöhnt, "Vorträge über Moral von einem Anführer zu bekommen, der in seiner Heimat kurdische Dörfer bombardiert, Journalisten einsperrt, dem Iran beim Umgehen internationaler Sanktionen hilft, und der Terroristen, einschließlich im Gazastreifen, dabei hilft, unschuldige Leute zu töten", sagte Netanjahu bei einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris.

Macron forderte Netanjahu hingegen zu "mutigen Gesten" an die Palästinenser auf. Dazu gehöre für ihn ein vorläufiger Baustopp für die jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten. Zudem stellte der französische Präsident eine Zwei-Staaten-Lösung als einzige Möglichkeit hervor, den Nahost-Konflikt beizulegen.

Seit Trumps Beschluss, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, finden in der Türkei Demonstrationen gegen Israel und die USA statt. Auch in Libanons Hauptstadt Beirut ist es zu Zusammenstößen von libanesischen und palästinensischen Demonstranten mit Sicherheitskräften gekommen. Dabei wurden nahe der US-Botschaft Flaggen der USA und Israels verbrannt. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor.

Auch in der indonesischen Hauptstadt Jakarta haben etwa 10.000 Menschen vor der US-Botschaft protestiert. Sie trugen Banner mit Aufschriften wie "Befreit Jerusalem und Palästinenser". Der indonesische Präsident Joko Widodo hatte die Entscheidung Trumps in der vergangenen Woche als Verstoß gegen die UN-Resolutionen verurteilt. Indonesien hat, wie viele andere muslimische Länder, keine diplomatischen Beziehungen mit Israel.

Brandanschlag in Göteborg

In der schwedischen Stadt Göteborg sollen Medienberichten zufolge Vermummte einen brennenden Gegenstand in eine Synagoge geworfen haben. Es fing jedoch nicht an zu brennen und keiner der 20 Anwesenden wurde verletzt. Die Polizei nahm mittlerweile drei Tatverdächtige fest. Auch in Deutschland kam es zu Protesten. In Berlin verbrannten Demonstranten vor dem Brandenburger Tor israelische Flaggen, zehn Menschen wurden festgenommen.

In Jerusalem hat ein Palästinenser einen israelischen Wachmann niedergestochen. Der 24-jährige aus dem Westjordanland habe sein Opfer am Zentralen Busbahnhof der Stadt angegriffen und es schwer verletzt, teilte Polizeichef Micky Rosenfeld am Sonntag mit. Er sprach von einem "Terrorangriff". Der Angreifer konnte festgenommen werden.

Die palästinensische Partei Fatah rief zu weiteren Protesten auf. Die Palästinenser sollten die "Konfrontation aufrechterhalten und auf alle Punkte ausweiten, an denen die israelische Armee präsent ist", hieß es in dem Aufruf. In Kairo forderte die Arabische Liga Präsident Trump zudem auf, seinen Beschluss zur Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem zu revidieren. Trumps Entscheidung habe keine rechtliche Bedeutung, schüre aber die Gewalt in der Region. Die vom Libanon geforderten Sanktionen gegen die USA wurden nicht beschlossen.

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hat einen Boykott arabischer Geschäfte in Orten gefordert, in denen Bewohner gegen Trumps Jerusalem-Entscheidung demonstriert haben. Die Araber von Wadi Ara im Norden Israels seien "nicht Teil von uns", jüdische Israelis sollten ihre Dörfer nicht mehr besuchen und ihre Produkte nicht mehr kaufen, sagte Lieberman dem israelischen Armeeradio.

Jerusalem-Entscheidung - Proteste der Palästinenser lassen zunächst nach In den Palästinensergebieten sind die Proteste gegen die Jerusalem-Entscheidung von Donald Trump vorübergehend abgeflaut. Gleichzeitig kam es weiter zu militärischen Konfrontationen zwischen der Hamas und dem israelischen Militär. © Foto: Ammar Awad/Reuters