Die Polizei schritt ein, als sich die Demonstranten in Kadıköy, im asiatischen Teil Istanbuls, versammelten und Banner mit Aufschriften wie "Gegen den Imperialismus, Zionismus und ihre Partner im Inland" hochhielten. Rund ein Dutzend Demonstranten wurde festgenommen, einige wurden mit dem Gesicht zum Boden gedrückt, anderen wurden die Hände auf den Rücken gedreht, berichteten Augenzeugen.

Trump hatte Jerusalem am Mittwoch offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt und angeordnet, sofort mit den Vorbereitungen für den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen. Regierungen zahlreicher Länder kritisierten den Schritt, darunter viele US-Verbündete. In den vergangenen Tagen waren Proteste konservativer religiöser Gruppen gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump in der Türkei friedlich verlaufen. Die Polizei in Istanbul geht aber regelmäßig gegen linke Demonstrationen vor, die sich gegen die Regierung richten.

Propalästinensische Demonstranten hielten überdies am Samstag Gebete vor der Hagia Sophia in Istanbul ab, einer früheren byzantinischen Kirche, die später zur Moschee umgewandelt wurde und heute ein Museum ist. Die konservative religiöse Partei Saadet hat für Sonntag eine Massenkundgebung in Istanbul vor dem Hintergrund des Jerusalem-Streits angekündigt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte Trumps Entscheidung scharf kritisiert. In einer Rede in Istanbul erneuerte er am Samstag seine Kritik und bezeichnete Israel als "Besatzungsmacht", welche "Terror" gegen die Palästinenser einsetze. Jerusalem sei eine "rote Linie" für Muslime, die US-Entscheidung sei für die Türkei "null und nichtig".