Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat beim Kongress seiner Regierungspartei ANC in Johannesburg zur Einheit aufgerufen. Die Delegierten des ANC entscheiden bei dem Kongress über die Nachfolge von Zuma an der Spitze der Partei, die jedoch zerstritten ist. Als Favoriten für den Parteivorsitz gelten Vizepräsident Cyril Ramaphosa und Nkosazana Dlamini-Zuma, die frühere Kommissionsvorsitzende der Afrikanischen Union – und Zumas Ex-Frau. Der Präsident selbst räumte Fehler ein und sprach von einer gewaltigen Herausforderung.

Zuma ist als Präsident bis 2019 gewählt, gibt den Parteivorsitz aber bereits jetzt ab. Sein Nachfolger im Afrikanischen Nationalkongress dürfte 2019 auch Spitzenkandidat werden. Der ANC ist jedoch unter Zuma wegen Skandalen so in Verruf geraten, dass er nach Ansicht von Beobachtern die absolute Mehrheit verlieren könnte. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass die unterlegene Fraktion nach dem Kongress eine neue Partei bilden könnte.

Zuma kritisierte während des Treffens kleinkarierte Streitereien und warnte, die Partei könne zerbrechen. "Die Menschen sind nicht glücklich mit dem Zustand des ANC", sagte Zuma. Dennoch stehe die Partei weiter für Millionen Menschen am Rande der Gesellschaft. Auf den Delegierten laste die Verantwortung, den ANC zu erneuern und seine zeitlosen Werte wiederherzustellen.

"Gier ist eine ernste Bedrohung"

Eine Regierungspartei dürfe nicht zulassen, dass Geschäftsinteressen ihre Arbeit beeinflussen, sagte Zuma. Diebstahl und Korruption seien in der Privatwirtschaft genauso schlimm wie in der Regierung. "Gier ist eine ernste Bedrohung." Der ANC müsse sich davor schützen. Zuma warf Medien, Justiz und Zivilgesellschaft vor, sich in Parteiangelegenheiten einzumischen, um den ANC zu bekämpfen.

Der Präsident sprach sich für keinen der insgesamt sieben Kandidaten aus. Jeder von ihnen gäbe ein erstklassiges Staatsoberhaupt ab, sagte er. Alle hätten zugesagt, die Entscheidung der Partei zu akzeptieren.

Zuma selbst steht wegen seiner engen Beziehungen zur Unternehmerfamilie Gupta in der Kritik. Gegen die Familie wird ermittelt, weil sie Einfluss auf die Besetzung von Kabinettsposten genommen und ihre Freundschaft zu Zuma für Landverträge mit der Regierung genutzt haben soll. In Zumas Regierungszeit ist die Arbeitslosenrate auf knapp 30 Prozent gestiegen, die Wirtschaft stagniert. Mehr als die Hälfte der Einwohner Südafrikas leben unterhalb der Armutsgrenze.

Ramaphosa hat mit über das Ende der Apartheid verhandelt und brachte es danach als Unternehmer zu einem der größten Vermögen im demokratischen Südafrika. Er verspricht, die Korruption zu bekämpfen und die Wirtschaft zu beleben.

Dlamini-Zuma ist Ärztin und ehemalige Ministerin. Sie will schwarze Südafrikaner durch "radikale Wirtschaftstransformation" für den ANC gewinnen und gilt als Verbündete ihres Ex-Mannes. Einige fürchten, sie werde sich von ihm beeinflussen lassen und ihn vor Strafverfolgung schützen.